Zeiten ändern dich 

Ich musste erst knackige 28 werden, bis ich lernte, dass es in meinem Leben um MICH geht. Ich musste auch erst literweise bittere Tränen vergießen, verzweifeln, Spiegel zerstören und Klamotten zerreißen, bis ich lernte, dass Selbstliebe so hart und trotzdem so unglaublich leicht ist.

Filling Your Mind hat sich immer mit mir verändert. Dabei war die Veränderung nie wirklich groß. Ich habe hier und da mal die Art meiner Fotos verändert oder die Themen meiner Rezepte. Der Name ist immer gleich geblieben und genauso war es auch mit dem Blog, unterm Strich. In diesem Jahr ist der Blog sechs Jahre geworden und in diesen sechs Jahren hab ich, als Mensch, mich extrem verändert. Ich musste viele gesundheitliche Kämpfe durchleben, habe viele geliebte Menschen auf meinem Weg verloren und auch in meinem sozialen Umfeld hat sich viel getan. Ich bin in eine neue Stadt gezogen, mal wieder – und habe hier meine beste Freundin kennen gelernt. Allein diese Begegnung hat meinen Alltag und meine Selbstwahrnehmung so sehr verändert, dass ich Filling Your Mind nicht weiter so halten kann wie ich es bisher getan habe – in der Vergangenheit habe ich immer mal wieder von Veränderungen gesprochen und auch davon, dass jetzt eine neue Zeit anbricht. Ich fürchte, der ein oder andere unter euch kann es mittlerweile nicht mehr hören! Aber dieses Mal könnt ihr mir glauben, wenn ich sage, dass hier eine neue Zeit ansteht! Auf einigen Veranstaltungen in den letzten Monaten haben mich viele Menschen angesprochen mit „hey, du bist doch Filling Your Mind“ und ich entgegnete mit „Nein, ich bin Bella VON Filling Your Mind“ – aber im Grunde genommen hatten diese Menschen mit ihrer ersten Äußerung recht. Ich BIN Filling Your Mind – und ich bin MEHR als Essen und Rezepte. Schon lange spiele ich mit dem Gedanken, dass der Blog nicht länger einfach nur ein Foodblog sein soll, allerdings habe ich mich mit dem Gedanken, dass ich dadurch Abonnenten oder Follower verlieren könnte so verrückt gemacht, dass ich diesen Schritt nicht gegangen bin.

Es ist fast schon ekelhaft, wie sehr uns Instagram und Co. beeinflussen in dem was wir tun. Klar, habe ich auch die Rezepte und die Bilder dazu geliebt, aber das ist eben nicht alles in meinem Leben. In meinem Alltag sind so viele Dinge passiert, von denen ich gerne berichtet hätte, aber das kleine Monster in mir, dass mir ins Ohr flüsterte, dass ich dadurch geringere likes kriegen könnte, hat mich davon abgehalten. Wie bescheuert ist das eigentlich? Irgendwas in mir ist davon überzeugt gewesen, dass die Menschen die mir folgen, mich nur mögen, weil ich ihnen Rezepte liefere. Aber dieses ganze bloggen und über Dinge aus seinem Leben schreiben besteht eben nicht nur darin Menschen einen Nutzen zu liefern. Natürlich bloggt man, um andere Menschen zu inspirieren und ihnen irgendwas mit zu geben, aber man ist auch als Blogger keine eierlegende Wollmilch Sau und damit dazu verpflichtet, 100 % nützlichen Output zu liefern. Das zu realisieren hat echt lange gedauert! Wer oder was sagt eigentlich, dass ich als Person, als Mensch nicht auch inspirieren kann? Die letzten zwei Wochen haben mir dahin gehend die Augen geöffnet!

Als ich begann über meine Depression zu reden, haben sehr viele von euch sich mir geöffnet und mir offenbart, dass sie auch unter diesem Monster leiden. Ich war zugleich darüber schockiert, wie viele Menschen dieses Problem auch betrifft und zeitgleich so stolz und so glücklich, dass ihr euch ausgerechnet mir anvertraut. An dieser Stelle habe ich gemerkt, dass ich auch etwas in anderen Menschen bewegen kann, ohne dass ich Rezepte oder Fotos von meinem Essen poste. Das allein bin eben nicht nur ich. ICH als Mensch bin augenscheinlich also auch genug. Genug sein fühlt sich wunderbar an. Natürlich fotografiere ich auch privat echt viel Essen, aber selbst meine Freunde sagten mir immer wieder, dass ich eigentlich viel mehr bin als das! Und damit hatten meine Freunde – und auch ihr – natürlich recht! Letzte Woche war es brühend heiß und ich habe mich das erste Mal in meinem Leben dazu durchgerungen, das Haus bauchfrei zu verlassen. Tatsächlich war dieser Schritt für mich echt schwer, aber ich habe gemerkt, dass diese Tatsache in meinem Leben eigentlich nichts verändert. In meinem Kopf habe ich mir ausgemalt, dass die Menschen lachen, dass sie mir Sprüche zu schmeißen oder abwertende Blicke und am Ende ist nichts davon passiert. Im Gegenteil! Ich habe Komplimente bekommen und Menschen haben mich angelächelt und was mich noch viel mehr mit Freude erfüllt: ihr seid nachgezogen! Ihr habt euch getraut! Meine Mut hat euch ermutigt! Wie sagte eine Dame auf Instagram so schön: „Mutausbrüche sind ansteckend!“ – wie schön! Ich vergesse immer wieder, dass ich auch bei meinen 11.000 Abonnenten echt was bewegen kann. Ich vergesse immer wieder, dass ich als Blogger und somit als sehr kleine Person im öffentlichen Leben einen impact habe. Dass das was ich tue und wie ich denke und die Tatsache, dass ich das an euch weitergebe, den einen oder anderen von euch auf seinem Weg bestärken kann. Darüber habe ich nie wirklich nachgedacht! In den letzten Wochen ist mir diese Tatsache mehr und mehr bewusst geworden.

Zeiten ändern dich!

Und Zeiten ändern sich. Gerade arbeite ich darauf hin mein eigenes Café zu eröffnen und früher oder später wird Filling Your Mind dabei nur noch ein Beiwerk sein. Deshalb möchte ich dieses Werk hier zu meinem persönlichen Blog umfunktionieren. Ich möchte euch mehr über mich erzählen, mehr über die Dinge, die ich in den letzten Jahren schmerzlich lernen musste und hoffe, dass ich dem einen oder anderen von euch damit helfen kann. Hier wird es ab sofort nicht mehr nur noch um Essen gehen. Natürlich dreht sich weiterhin auch viel um das vegane Leben, aber auch mindestens genauso viel über persönliche Themen wie Selbstliebe oder Depressionen. Darüber kann ich euch unterm Strich und am Ende auch viel mehr erzählen als einfach nur über Essen. Auch ich bin kein endloses Kochbuch und kann euch endlos Rezepte liefern und das möchte ich auch nicht. Im letzten Monat habe ich versucht, dem Monat ein Motto zu geben und auch das funktionierte eher semi gut, denn aktuell habe ich schlichtweg keine Lust mich auf Rezepte zu konzentrieren und ich möchte auch diesen Zwang nicht mehr haben, Output liefern zu müssen. Für den kommenden Monat wurde das Motto veganes Grillen bestimmt, aber wie ihr nach diesem Text hier sicherlich schon erwartet, wird es dieses Thema nicht geben. Ich werde ab sofort jeden Monat zwar unter ein Motto stellen, was die Rezepte angeht, aber ich werde mich nur grob daran halten! Wenn es neben veganem Grillen auch mal ein Rezept für eine geile Torte gibt, dann nehmt mir das bitte nicht übel – ich bin einfach ein zu kreativer und freigeistiger Mensch um mich in ein Thema drücken zu lassen. Auch wenn ichs versucht habe! In mir schlummert ein kleiner Monk, der Vorgaben braucht! Alles muss geordnet sein, einem gleichen Schema folgen und zur selben Zeit erscheinen. Damit habe ich mich selbst in den letzten Jahren aber so sehr unter Druck gesetzt, dass ich mittlerweile kaum noch mit Hingabe und Herz an meinen Rezepten sitze. Und das ist ja nun wirklich nicht der Sinn! Ich zitiere an dieser Stelle die nächste wunderbare Dame:

Ein Account ist immer nur so toll wie die Person, die dahinter steht.

Auch wenn ich die Angst, dass ich Follower oder Abonnenten verlieren könnte, mittlerweile besiegt habe, hoffe ich doch, dass die meisten von euch bei mir bleiben und dass ich vielleicht sogar neue Menschen erreichen kann mit dem was ich nun vor habe. Auf geht’s!