Serayi

von Orient trifft vegan

Endlich folgt an dieser Stelle mal wieder eines meiner heiß geliebten Interviews! Ich suche die Befragten so sorgsam aus, dass es mittlerweile viel zu wenige davon hier gibt, aber Serayi kann und will ich euch nicht vorenthalten! Ich liebe es durch diesen Blog hier auch anderen Menschen einen Platz bieten zu können, sie bekannten zu machen und euer Leben um einen weiteren tollen Blog mit großartigem Inhalt bereichern zu können. An dieser Stelle präsentiere ich euch einen veganen Blog, den es so kein zweites mal gibt! Serayi hat einen veganen, orientalischen Blog ins Leben gerufen. Dabei steht sie noch ganz am Anfang, deshalb möchte ich ein alle einmal Bitten einen Blick auf ORIENT TRIFFT VEGAN zu werfen – wer es nicht tut, hat wirklich etwas verpasst. Aktuell greife ich ihr etwas unter die Arme, damit sie euch bald einen übersichtlichen und schön gestalteten Blog präsentieren kann. Ihre Rezepte stehen allerdings schon zu 100% für sich!

Ich persönlich liebe die türkische und orientalische Küche – tatsächlich kenne ich viele Gerichte aber einfach gar nicht (woher auch?) und daher ist ein Blick auf Serayis Blog echt Gold wert. Zwar findet man dort erst eine Hand voll Rezepte, aber der Blog wächst stetig und schon jetzt sind die Rezepte und Bilder qualitativ sehr hochwertig. Die 22 jährige Serayi zaubert ihre Rezepte aus der Nähe von Stuttgart. Hauptberuflich ist sie Make-up Artist! Die meisten Menschen denken bei Muslima direkt an altbackene Damen in Kopftüchern, aber Serayi ist das komplette Gegenteil. Sie ist zwar sehr eng mit ihrem Glauben verbunden, aber auf eine sehr moderne, menschliche und wirklich schön anzusehende Art! Ein wirklich zauberhafter Mensch! Sie lacht viel, ist um keinen Spaß verlegen und ich freue mich immer wieder von ihr zu hören. Umso glücklicher bin ich darüber, dass ich ihr beim Start mit meinem Wissen etwas unter die Arme greifen kann – und vor allem, dass ich sie euch hier heute vorstellen darf!

 

 

Wir fangen mit der langweiligen Standardfragen an: Wie bist Du dazu gekommen vegan zu leben?
Die Frage, wie ich dazu gekommen bin vegan zu leben, kann ich so noch nicht ganz beantworten, denn es gibt noch Ausnahmen die sich in meinen Alltag schleichen. Ich gehöre zu den Persönlichkeiten die Umstellungen schrittweise angehen müssen, sonst geht sowas bei mir ziemlich schnell nach hinten los. Wenn ich das Ganze umrechnen würde, gibt es vielleicht einen vegetarischen Tag in der Woche. Wie ich allerdings dazu gekommen bin vegan für mich zu entdecken und wieso ich es so toll finde, kann ich trotzdem beantworten! Für mich war tatsächlich die Massentierhaltung und die Gier der Menschen der größte Auslöser. Jeden Tag Fleisch auf dem Teller zu haben war für mich auch selbstverständlich. Als würde man nicht darüber nachdenken, dass so ein Tier ein Lebewesen ist – liebt, weint und fühlt. Ein Herz hat, so wie Du und ich. Und dann bin ich auf eine Doku gestoßen, die ausgestrahlt hat, unter welchen Bedingungen diese fühlenden Lebewesen gehalten werden. Ihre Schreie vor Schmerz, Tränen in den Videoaufnahmen – alles auf engstem Raum, auf die brutalste Art und Weiße. Und dass nur, weil der Mensch so billig und viel wie möglich möchte? Weil der Mensch das Ganze für einen kurzen Gaumengenuss ignoriert und nicht hinterfragt? Ich wollte einfach nicht mehr dazugehören. Ich wollte innerlich Frieden schließen können. Kein Grund dafür sein, dass jemand anderes darunter leiden muss, dass ich mein Maß nicht kenne. Irgendwann konnte ich solch eine Tierhaltung und dem grausamen Umgang mit mir und meinem Glauben nicht mehr vereinbaren.

Fiel Dir die Umstellung schwer?
Am Anfang: Ja. Aber nur weil ich alle Fehler gemacht habe, die man so machen konnte. Ich dachte um wirklich veganes Essen auf dem Teller zu haben, muss ich jetzt in den Supermarkt rennen und mir Tofu kaufen. Natürlich total ungewürzt und ohne Plan in die Pfanne gehauen und enttäuscht gewesen, wie unappetitlich das ganze schmeckt. Das ganze selbstverständlich direkt auf die vegane Ernährung geschoben! Heute schmunzle ich darüber. Die Umstellung kann so leicht sein! Einfach das gewohnte Essen weiter kochen und tierischen Produkte wie Kuhmilch und Sahne gegen pflanzliche Produkte tauschen. So schmeckt es wie immer und man muss nichts vermissen!

 

 

Wie kam es dazu, dass Du das bloggen gestartet hast?
Durch Freunde! Immer wenn die Liebsten zu Besuch gekommen sind und ich sie orientalisch vegan bekocht habe, waren alle begeistert. So gut wie jedes Mal wollten sie das passende Rezept dazu haben. Irgendwann hatte ich mich dazu entschlossen ein Buch zu veröffentlichen. Ist schon in Bearbeitung! Doch ich dachte mir, bevor ich von einem auf den anderen Tag ein Buch nach außen trage, möchte ich gerne, dass die Menschen mich und meine Rezepte erst einmal kennen lernen können. Und wo kann man das besser, als auf einem Blog? Orientalische Rezepte sind meine persönliche Motivation – etwas, dass es so noch nicht allzu oft gibt. Ich möchte Menschen bereichern, die noch nicht auf den Geschmack von 1001 Nacht kommen konnten und nichts Alltägliches zaubern, das jeder schon kennt. So kam die Idee zustande, einen veganen Orient Blog zu eröffnen und ich bin unglaublich zufrieden über diese Entscheidung! Noch bin ich am Anfang, doch mit der Zeit blüht das Ganze sicher immer mehr auf.

Ich weiß, du hörst die Frage sehr oft, aber: Muslima und Veganismus – wie lässt sich das vereinbaren? Für viele Außenstehende – mich eingeschlossen – klingt diese Kombination noch schwerer auszuleben als für nicht religiöse Veganer. Wie gehen Familie und Freunde damit um?
Ich behaupte mal ganz mutig – vielleicht gerade deshalb? Es gibt unzählig viele Überlieferungen im Islam die uns vorschreiben, wie wir mit Tieren umgehen müssen. Besonders groß wird das Thema Halal in der muslimischen Welt geschrieben. Das Tier darf nicht verzehrt werden, wenn die islamischen Regeln nicht befolgt wurden. Um das Ganze näher erklären zu können, gehe ich auf ein paar Regeln ein: Zum Beispiel darf das Tier nicht krank sein. Es darf nicht verletzt sein. Das Tier darf nicht neben einem anderen Tier getötet werden. Es darf das Messer nicht sehen. Das Tier darf keinem Stress ausgesetzt werden. Es muss gut behandelt werden – und noch so, so vieles mehr. Wenn wir uns allerdings die heutige Haltung der Tiere anschauen, kann man schon in den ersten Zeilen herauslesen, dass so gut wie gegen alle Regeln verstoßen wird. Ich leugne nicht, dass es im Islam erlaubt ist Fleisch zu essen. Doch mir liegt es sehr am Herzen klar zu machen, dass Muslime beim Verzehr bedenken müssen, dass alle diese Regeln eingehalten werden müssen, um das Fleisch wirklich halal nennen zu dürfen. Was in der heutigen Zeit so gut wie unmöglich ist! Bei einem so hohen Fleischkonsum, wie dem der Menschen, kaum noch machbar. Oft höre ich Rechtfertigungen wie, dass unser Prophet auch Fleisch gegessen hätte. Allerdings vergessen viele dabei, wie selten Fleisch in dieser Zeit verzehrt wurde. Es war etwas Besonderes und Seltenes! Die meiste Zeit haben sie sich von Datteln ernährt. Im Koran wird oft beschrieben, egal in welcher Situation, man solle nicht das Maß überschreiten. Man solle nicht übertreiben und nicht untertreiben. Einige Bissen genügen und sich nicht vollzustopfen bringt spirituelle Vorteile. Demut des Herzens, Kraft des Verstandes und das Nachlassen von niederen Verlangen – während das sich Überessen das Gegenteil bewirkt. Wie kann es dann sein, dass es für viele normal geworden ist morgens, mittags und abends in Unmengen etwas zu essen, dass einmal gelebt hat – wenn doch so oft davon gesprochen wird, das Maß nicht zu überschreiten? Wir haben jeden Tag alles zur Verfügung. Fehlt uns etwas im Kühlschrank, ist der Supermarkt nicht weit. Lebensmittel soweit das Auge nur reicht. So habe ich für mich entschlossen, dass ich viel lieber meinen Körper ohne Tierleid sättige! Barmherzigkeit. Liebe. Demut. Genau deshalb passt vegan zu leben auch zu einem religiösen Menschen! Ich habe das Glück einen wirklich offenen Freundes- und Familienkreis zu haben. Der immer hinter mir steht und mich niemals auf meinem Weg aufhalten würde. Sie unterstützen mich und bewundern meine Entscheidung. Langsam und schleichend landet auch bei der Familie immer weniger Tier auf dem Teller.

Gibt es Dinge am vegan sein die Dich nerven oder die Dir schwer fallen?
Auswärts essen gehen ist für mich manchmal etwas kompliziert. Da ich in einem kleinen Dorf lebe, vermisse ich ganz besonders Restaurants die vegan anbieten.

 

 

Was ist Dein persönliches Lieblingsrezept, von Deinen Rezepten – und wieso?
Weil ich ein absoluter Kartoffel Fan bin, schwärme ich besonders für die Kartoffel-Karotten-Paprika Börek aus meinem Blog! Das Ganze wird mit einer Minze-Knoblauch, wie auch Butter-Paprika Soße übergossen. Himmlisch!

 

 

Zu Dir als Person

 

Welcher Mensch kommt Dir in den Sinn, wenn Du das Wort „Erfolg“ hörst – und warum?
Wenn ich den Begriff Erfolg höre, denke ich an keine bestimmte Persönlichkeit. In der heutigen Zeit assoziieren wir gerne Menschen mit viel Geld als erfolgreich. Aber wirklichen Erfolg hat man im Leben dann, wenn die Menschen die man liebt bei einem sind. Wenn man sich selbst lieben kann. Wenn man zu sich steht genauso wie man ist und sich immer selbst treu bleibt. In so einer Zeit ist das der wahre Erfolg!

Auf welchen Werten beruhen Deine täglichen Handlungen, Entscheidungen und Pläne?
Für mich bedeutet mein Glauben unglaublich viel. Er ist für mich der Leitfaden der mich durch mein Leben begleitet. Ich würde behaupten, dass meine Liebe zu meiner Religion mich dort hingeleitet hat, wo ich heute bin. Es ist ein großer Wunsch von mir, mit so etwas kleinem wie Rezepte zu posten, Menschen zum Umdenken anzuregen. Vor allem auch Muslime! Es gibt einfach noch viel zu viele, die sich der ganzen Sache noch nicht bewusst sind. Mit leckerem Essen und dem ein oder anderen Blogeintrag von mir, bin ich vielleicht ein kleiner Teil vom großen Ganzen – zu etwas Schönem zu inspirieren!

Welche Hoffnungen hast Du?
Dass Menschen anfangen ihr Gegenüber zu lieben und zu akzeptieren so wie er/sie ist – Vorurteilen den Rücken kehren und ihnen keine Chance mehr geben! Wir müssen all den Groll ablegen, denn er bereichert uns nicht, er zerstört nur. Für ein friedliches Miteinander: Mensch, Tier, Religion.

Und welche Hoffnungen hast Du längst aufgegeben?
Das Töten wird es wohl immer geben. Es wird immer einen geben der sich dem anderen Überlegen fühlt und Grausames vollbringt. Es wird wohl nie eine Welt ohne Leid existieren.

Was würdest Du heute Deinem jüngeren ich raten?
Hör nicht auf die anderen, mach das was Dich erfüllt – was Dich glücklich macht! Es ist Dein Leben! Jeder Fehler, den Du noch begehen wirst – jeder von ihnen ist okay, denn Du wirst aus ihnen lernen und sie werden Dich zum Wachsen bringen! Und bitte vergiss nicht, Du bist gut wie Du bist!

Was glaubst Du, nimmt man Dir öfter übel?
Wenn es um Anrufe oder WhatsApp Nachrichten geht, bin ich immer der verplanteste Mensch. So gut wie jedes Mal vergesse ich mich zurück zu melden. Aber Freunde und Familie haben aufgehört es mir übel zu nehmen. Ich verpeile es wirklich und man darf es auf keinen Fall persönlich nehmen! haha

Was würdest Du selbst für viel Geld nicht tun?
Jemanden quälen oder Leid hinzufügen. Egal ob Mensch oder Tier. Es gibt vieles, dass ich für Geld nicht tun würde, einfach weil das Menschliche immer im Vordergrund stehen muss und ich dazu ein viel zu ausgeprägtes Empathie Empfinden in mir trage.

Wie sieht die erste Stunde Deines Tages aus?
Ich stehe auf, verrichte mein Morgengebet. Danach ist das erste, meine Katze Luna zu kuscheln und sie zu füttern. Ich checke mein Facebook und Instagram kurz ab und dann gibt es Frühstück. Entweder Toast oder Haferflocken mit Himbeeren. Und dann geht der Tag schon los!

Wem wärst Du lieber nie begegnet?
Ich bereue wirklich keine Begegnung in meinem Leben. Klar hätte man sich mit der ein oder anderen Person einiges an Kummer ersparen können, doch heute im Nachhinein hat es mich reifen lassen. Mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Dafür bin ich dankbar!

Wie stellst Du dir Armut vor?
Armut ist, wenn Menschen innerlich leer sind, nichts mit sich anfangen können. Wenn sie zu sehr auf andere blicken und vergessen, wie viel in ihrem eigenen Inneren schlummert. Du kannst so reich sein wie Du willst, wenn Du innerlich nicht erfüllt bist, bist Du nicht glücklich. Und reich ist, wer glücklich ist!

Wenn Du eine Stadt wärst, welche wärst Du und wieso?
Wenn ich eine Stadt wäre, dann auf jeden Fall Istanbul! Diese Stadt ist so reich an Geschichte, Kultur, Traditionen und den verschiedensten Menschen und Religionen. Außerdem sind die Basare in Istanbul ein Traum! Gewürze soweit das Auge nur reicht, tolle Klamotten zum Shoppen, süße Omis die auf der Straße Gemüse aus ihrem Garten verkaufen. Meer, Sonne, Cay und leckeres Essen! Ach, ich komme schon wieder ins Schwärmen!

Wenn Du als Tier wiedergeboren wirst, welches möchtest du sein?
Ohne lang darüber nachzudenken: eine Katze! Ich selbst habe eine und sie lebt wie eine Königin. Katzen werden gefüttert, gestreichelt, sehen unglaublich süß aus und werden fürs nichts tun geliebt. Auf mich hören? Katzen sind ihr eigener Boss! haha

Welchem Film muss man zwingend gesehen haben?
Der Film Gandhi* ist meiner Meinung nach einer der beeindruckendsten Filme die es gibt.

Welche 3 Bücher haben Dich am meisten beeinflusst?
Ich liebe die spirituellen Werke von Ghasali und Rumi.

Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch 3 Dinge essen könntest, welche wären das?
Kartoffeln, Kartoffeln und nochmals Kartoffeln! haha