Plastikfasten 

Mein müllfreier Monat

Bevor ich euch von meinem Plastikfasten Monat erzähle, möchte ich kurz anmerken, dass ihr den Spruch auf dem Titelbild nicht zu ernst nehmen solltet. Er stammt weder aus meinem Mund, noch aus meinem Kopf! Diese Aussage ist vergleichbar mit der Tatsache, dass man Hunde streichelt und Kühe isst, während man sagt, dass man Tiere mag. Nun gut! Aber woher kommt das Ganze dann? Gerade wird es mit meiner Selbstständigkeit ernst – bei einem Meeting mit einem der potenziellen Partner erklärte ich ausschweifend, dass mein Bistro nachhaltig laufen wird. Kein Plastik als Verpackungsmaterial, keine unnötigen to go Verpackungen, Rabatte bei Mitnahme mit eigenen Behältern, Foodsharing, Lebensmittel retten – das volle Programm. Während ich so flanierte, warf mein Gesprächspartner ein, dass ihn das alles gar nicht interessieren würde. “Also, versteh mich nicht falsch! Ich mag Delfine echt sehr. Aber Plastik ist auch praktisch.” – laut eigener Aussage hat der Herr einfach keine Lust extra auf seinen Plastikkonsum zu achten. Nach einem Monat Plastikfasten kann ich das zumindest im Ansatz verstehen, komplett nachvollziehen allerdings nach wie vor nicht. 

 

 

Fangen wir bei Null an. Wieso habe ich nun einen Monat gefastet, was meinen Müll angeht? Den Stein so richtig ins rollen gebracht kein meine Reise nach Ägypten. Auf der Fahrt durch die Wüste habe ich mir “A Plastic Ocean” angesehen und war nicht nur davon schockiert, sondern auch von den Dingen, die ich in den folgenden Tagen in Ägypten sehen sollte. Ganze Bäche waren so voller Abfall, dass man vor lauter Müll kein Wasser mehr sehen konnte. Die Städte hatten mitten im Zentrum Bauschuttlöcher, in denen man sich seines Mülls entledigte. Einfach so. Mitten in der Stadt. Einfach auf den Boden. Wo es hierzulande verpönt ist, wenn man seinen Müll einfach auf die Straße wirft, ist es dort normaler Alltag. Sowohl Einheimische, als auch Touristen nutzen ausschließlich Wasser aus Flaschen. Natürlich alles Einweg und natürlich gibt es in Ägypten kein Pfandsystem. So landen täglich mindestens vier Plastikflaschen im Müll. Zurück am Meer war schwimmen ohne Kontakt zu Müll unmöglich. Alle 50cm fand man am Strand irgendeine Form von Abfall – im Meer selbst schwamm überall Plastik. Ich erinnere mich nur dunkel an meine Kindheit in Spanien, in der es so etwas in dieser Art einfach nicht gab. Es ist erschreckend wie real dieses Problem in unserer Welt ist. Man neigt häufig dazu sich zu denken, dass Dokumentationen zu dem Thema überspitzt und übertrieben sind. Dem ist leider nicht so – und man sollte schleunigst etwas an dem eigenen Konsumverhalten ändern. 

 

 

Einfach gesagt gehen unserem Planeten Erde irgendwann die Rohstoffe aus. Irgendwann sind alle Wälder abgeholzt, alle Flüsse leer und alle Meere voller Plastik. Diesen Punkt sollten wir wirklich nie erreichen! Nachhaltigkeit zielt darauf ab, genau dies zu verhindern. Zum einen gilt es Plastikmüll zu vermeiden – vor allem aber Einwegmüll. 106.000 Tonnen Abfall fallen in Deutschland für To-go-Getränkeverpackungen inklusive Zubehör – Deckel, Strohhalm, Rührstab – jährlich an. Damit hat der Becher die Plastiktüte als Abfallverursacher im Alltag überholt und das Ganze macht nur einen Bruchteil dessen aus, was hierzulande im Müll landet. Allein von den Tüten werden in Deutschland rund 95.000 Tonnen jährlich verbraucht. Bei Heißgetränken macht der Verbrauch rund 60 Becher pro Kopf und Jahr aus. Durchschnittlich wird ein Becher nur 15 Minuten genutzt, bevor er in den Müll wandert. Die meisten Becher für Heißgetränke bestehen aus Pappe mit einer Kunststoffbeschichtung. Allein für die Herstellung des Papiers für einen Becher wird rund ein halber Liter Wasser verbraucht – mehr als der Becher an Getränk aufnimmt. Woher die Fasern für das Papier stammen, bleibt oft unklar, denn nur wenige tragen eine Zertifizierung. Etwa ein Drittel der Becher bestehen ausschließlich aus Kunststoff. Ebenso wie Plastiktüten, die in der Umwelt landen, besteht auch bei Einweg-Bechern die Gefahr, dass der Kunststoff des Bechers durch Abrieb zu Mikroplastik wird, das ins Wasser oder den Boden gelangt – mit nicht absehbaren Folgen für Mensch und Umwelt. (Quelle: Deutsche Verbraucherzentrale)

 

 

Zurück in Deutschland entschied ich also postwendend, für die nächsten Wochen auf Plastik zu verzichten und nach Möglichkeit meinen Müll auf einem Minimum zu halten. Natürlich entsorgte ich nicht sofort alle bestehenden Dinge – es ging darum zukünftig kein neues Plastik anzuschaffen. Wie leicht oder schwer so ein Lebensstil ist, ist natürlich immer von dem eigenen Wohnort abhängig. Wohnt man nun in einer Großstadt mit eigenem Unverpackt Laden und diversen Märkten, ist es natürlich einfacher als auf dem Dorf, wo es ggf. nur einen Supermarkt gibt. In Wuppertal haben wir aktuell keinen eigenen Unverpackt Laden – dafür haben wir fußläufig zu meiner Wohnung einen Markt, der an sechs Tagen die Woche geöffnet hat. Zudem gibt es in meiner näheren Nachbarschaft einige Supermärkte, die ihr Obst und Gemüse lose anbieten. Damit das Unterfangen Plastikfasten gelingt, benötigt man allerdings einige Basics, die ich zum Glück größtenteils schon hatte. 

  • Obst- und Gemüsenetze: Ich nutze seit knapp zwei Jahren schon diese hier*. Zu kaufen gibt es solche Netze mittlerweile auch schon in einigen größeren Supermärkten, Biomärkten und Drogerien. Online zu bestellen ist also nicht unbedingt nötig, oftmals aber günstiger. Hier hat man dann allerdings zusätzliches Verpackungsmaterial aka. Müll. 
  • Jutebeutel oder einen Korb: Die jute Jute begleitet mich schon seit knapp sieben Jahren als Ersatz für die Handtasche – meine haben alle einen langen Henkel. Egal ob beim Supermarkt gekauft oder als Bandmerch, Statement oder von Designern, einen Jutebeutel sollte man immer dabei haben – für den Fall der Fälle. 
  • Dosen und Gläser: Zum Transport der gekauften Produkte sind oftmals eigene Gefäße unerlässlich. 

Außerdem fürs Handgepäck:

  • to go-Becher: Egal ob für den Kaffee zwischendurch oder als Ersatz für eine Dose, eine Flasche oder ein Glas. Ein to go-Becher hat viele praktische Gründe, um in jeder Handtasche seinen festen Platz zu haben. 
  • Glas- oder Edelstahlflasche: Um es zu vermeiden, dass man unterwegs “Mal eben” etwas zu trinken holt, habe ich immer meine eigene Flasche dabei. Ich nutze aktuell meist meine Carry Bottle* – Wasser gibt es an jede Ecke! 
  • to go-Besteck: Ich verwende ein Set von Lunchbuddy – in der praktischen Tasche hat man immer alles dabei, was man unterwegs brauchen könnte. Wer kein ganzes Set nutzen möchte, könnte auch zu einem Set Essstäbchen greifen. 
  • Wiederverwendbare Strohhalme: Bei mir gibt es sie in drei verschiedenen Ausführungen aus Bambus*, Edelstahl und Glas*. Egal in welcher Form, man bekommt die wiederverwendbaren Strohhalme online und mittlerweile sogar schon in diversen Haushaltsgeschäften wie Depot oder in einigen Cafés. 

Die Regel Nummer eins beim Plastikfasten ist: sei vorbereitet!

Sobald man auch nur einmal nicht alles in der Tasche hat, wird es schon wieder schwierig den unnötigen Müll zu vermeiden. Auch in meinem Plastikfasten Monat ist es leider einige Male vorgekommen, dass ich nicht immer auf zusätzlichen Müll verzichten konnte. Es ist schon erschreckend wie sehr man an diese Verschwendung gewohnt ist – ohne es zu merken. Das Plastikfasten endet natürlich nicht beim Essen! Auch im Bad habe ich vermehrt darauf geachtet keinen Müll zu erzeugen. Ich bin schon vor einigen Jahren auf Bambuszahnbürsten* umgestiegen und habe nun auch meine Basics nach und nach aufgebraucht und ausgetauscht. Aus dem Duschgel wurde Seife, aus dem Shampoo in der Flasche ein festes Shampoo, aus den Wattepads wurden wiederverwendbare Pads* und die Wattestäbchen sind nun aus Bambus. Selbst meine Artikel zur Monatshygiene sind mittlerweile ersetzt durch Menstruationstasse und waschbare Binden*. Einzig meine Zahncreme ist nach wie vor in der Tube, da ich bisher noch keinen für mich akzeptablen Ersatz gefunden habe. Allerdings achte ich hier darauf keine Sorte mit Fluorid oder Mikroplastik zu kaufen. Aktuell nutze ich die SuperBlack Zahncreme von Happy Brush – diese kommt immerhin in einer 100% recycelbaren Laminattube. Wenn man erst einmal anfängt darüber nachzudenken WO überall Plastik und unnötiger Müll anfällt…

 

Plastikfasten ist hart, mit viel Vorbereitung und Arbeit verbunden und je nach Wohnort wirklich kein einfaches Unterfangen! Wenn man das Fasten zu 100% durchziehen möchte, muss man wohl oder übel auf einige Dinge verzichten. Es gibt Tofu nur noch unverpackt aus dem Asiamarkt, veganer Aufschnitt und Käse sind vollkommen raus – tatsächlich hatte ich in meinem Plastikfasten Monat auch eine weitaus natürlichere Ernährung. Mehr Obst und Gemüse, weniger Ersatzprodukte. Ich habe versucht so wenig wie möglich unterwegs zu essen und so auch definitiv Geld gespart. Das Gerücht, dass ein nachhaltiger Lifestyle teurer ist, kann ich nicht bestätigen. Mein Obst und Gemüse habe ich in türkischen Supermärkten oder auf dem Wochenmarkt gekauft – im Vergleich zum Supermarkt, der alles doppelt und dreifach in Plastikfolie wickelt, war mein Einkauf hier um einiges günstiger. Der Einkauf mit eigenen Netzen und Dosen hat hier auch nie Probleme gemacht. Meine Milchalternativen habe ich einfach selbst gemacht – aufgrund der Verpackung habe ich meist zu Hafer gegriffen. 

Der Nachteil am Plastikfasten: einige Dinge bekomme ich in meiner Stadt nicht unverpackt. Seien es nun Nüsse, Nudeln oder Reis. Im Biomarkt gibt es mittlerweile vermehrt Packungen aus Papier, allerdings auch nicht überall. Das bedeutet am Ende, dass man entweder in die nächstgelegene Stadt mit einem Unverpackt Laden fährt oder online bestellte. Beides ist für den ökologischen Fußabdruck ebenso keine Glanzleistung. 

Ich denke jeder Schritt ist gold wert, wie es auch beim Veganismus der Fall ist! Wenn ein Mensch früher täglich Fleisch gegessen hat und dies mittlerweile nur noch einmal die Woche tut, ist das zwar noch kein Ultimo, aber der richtige Weg. So ist es auch mit dem Plastik. Ich werde zukünftig wo auch immer es geht auf den Kauf von Produkten aus oder mit Plastik verzichten. Allerdings werde ich mich nicht selbst Steinigen, wenn ich hier und da aus Mangel an Alternativen und Angeboten zu Plastik greifen muss.