Heute stelle ich euch die erste Bloggerkollegin vor die ich leider noch nicht persönlich kenne. Lisa hat sich auf meinen Aufruf zur neuen Interviewkategorie gemeldet. Vorher kannte ich ihren Blog Ich lebe grün! noch gar nicht und habe in der Tat etwas verpasst – wer den Blog also auch noch nicht kennt sollte das schnell ändern! Lisa hat den Blog zusammen mit ihrem Mann Paul gestartet. Die beiden haben zudem eine Tochter und zwei Hunde. Dadurch bietet der Blog Einblick in jede Facette des veganen Lebens – sei es nun Hygiene, Beauty, Fashion, Lifestyle, Food oder eben Kids. Die beiden haben außerdem tatkräftige Unterstützung von anderen Bloggern und freiwilligen Schreiberlingen. Ich hab mich auf den ersten Blick verliebt in die liebevolle Gestaltung der Seite und in die wirklich guten Fotos, daher bin ich froh euch Lisa hier etwas genauer vorstellen zu können..

 

Wieder mal die langeweilige Standardfrage zu Beginn: Wie bist Du dazu gekommen vegan zu leben?

Und hier kommt die langweilige Standard-Antwort (zumindest ist sie wenig spektakulär): Es gab diverse Gründe, die mich zu der veganen Ernährung und anschließend zum veganen Leben geführt haben. Mein Mann, den ich damals mit 17 kennengelernt hatte, war bereits einige Jahre Vegetarier. Ich fand das auf Anhieb klasse und fragte mich wirklich, warum ich nicht schon früher Vegetarierin geworden bin. Das war genau mein Ding! Etwas mehr als 10 Jahre hat es gedauert, bis ich den Veganismus für mich entdeckt habe. Eine lange Zeit war es einfach kein Thema, dann hatte ich vor dem veganen Leben irgendwie Angst (ich hörte verstärkt Vorurteile und war nicht gut informiert). Die Gesundheit zwang mich, das Thema wieder genauer zu betrachten. Zu dem Zeitpunkt aßen wir bereits keine Eier mehr und streckten unsere Kuhmilch mit Pflanzendrinks aus ethischen Gründen. Aber als es mir gesundheitlich nicht mehr gut ging, wollte ich den Versuch wagen und komplett auf die restliche Kuhmilch und den Käse verzichten. Mein Mann wurde zeitgleich Veganer, wir haben also beide umgestellt. Seit dem leben wir vegan.

Fiel Dir die Umstellung damals schwer?

Nein, nicht wirklich. Meine gesundheitlichen Probleme sind verschwunden (nicht alle, aber die nervigsten) und das hat mich natürlich deutlich motiviert, dran zu bleiben. Ich denke, am Meisten haben wir Käse vermisst. Aber was heißt vermisst… Wir sind kein einziges Mal seit dem „rückfällig“ geworden. Geschmacklich fehlte uns der Käse ein wenig, auf einer Pizza zum Beispiel, aber nach den ersten Wochen entdeckten wir so viele vegane Käsealternativen (auch Mandelmus), so dass das kein Problem war. Und heute brauche ich gar keinen Käse mehr. Meine Geschmacksnerven haben sich so umgestellt, dass ich weder den Geschmack vermisse, noch in nichtveganes reinbeissen möchte, wenn ich z.B. in der Stadt unterwegs bin und etwas rieche.

Wie kam es dazu, dass Du das bloggen bei Ich lebe Grün gestartet hast?

Ich bin extrem neugierig und muss von meinen Erfahrungen anderen Menschen erzählen. Das war schon immer so. Ich habe vor meiner „Bloggerkarriere“ bereits diverse Themen-Webseiten aufgebaut. Das neue vegane Leben fand ich so spannend, dass ich es unbedingt in meinem Blog festhalten wollte. Ebenso kam der Aspekt der Nachhaltigkeit hinzu. Vegan ist schön und gut, aber ich wollte das Thema gerne ganzheitlich betrachten.

Was würdest Du jemandem als Tipp mit auf den Weg geben, der das Bloggen beginnen möchte?

Einfach machen. So blöd es auch klingt. Aber das ist wirklich der beste Tipp. Ausdauer und Begeisterung gehören natürlich dazu, denn ohne sie schafft man einfach nicht, dauerhaft an der Sache dran zu bleiben. Kommerzielle Beweggründe führen hingegen oft zu Frust. Ein Blog muss erstmal lange aufgebaut werden. Ich empfehle nur dann zu bloggen, wenn man wirklich dafür brennt. Was sich dann daraus entwickelt, zeigt die Zukunft.

Und wie kam es dazu, dass Du Dein eigenes E-Book geschrieben hast?

Ich hab es einfach gemacht. In meinem Bekanntenkreis habe ich öfters gehört, dass die Umstellung auf mehr Grünzeug im Alltag total schwierig ist. Selbst ich bin kein großer Salatfan. In meinem E-Book über grüne Smoothies zeige ich, wie die Umstellung klappt. Schritt für Schritt. Das Buch verschenke ich gerne an unsere Newsletter-Abonennten, als Dankeschön für ihr Interesse.

Gibt es Dinge am vegan sein die Dich nerven oder die Dir schwer fallen?

Ich würde gerne, wenn ich in der Stadt mal unterwegs bin, auch ein Eis essen. Ich könnte natürlich in einen Supermarkt gehen und mir ein Wassereis holen. Oder eventuell gibt es dort auch cremigere vegane Alternativen. Aber einfach in eine Eisdiele gehen und ein Eis essen – das ist noch nicht wirklich drin. Obwohl ich jetzt mitbekommen habe, dass Eisdielen auch Fruchteis ohne Milch anbieten. Ich habe mich aber ehrlich gesagt noch nicht informiert.

Welcher Mensch kommt Dir in den Sinn, wenn Du das Wort „Erfolg“ hörst – und warum?

Puh, spontan vielleicht tatsächlich Google, also die Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin. Aber mir geht es weniger um diese Menschen, sondern nur um etwas, was mich fasziniert. Das gilt für viele erfolgreiche Menschen. Sie hatten eine Idee, aber wenige Menschen glaubten an sie oder belächelten sie sogar. Trotz des Gegenwindes und einem steinigen Weg machten sie was daraus. Ich finde, Erfolg ist ein Gefühl und nicht etwas materielles. Für diese Belohnung bleibt man motivierter an seinen Zielen dran. Und ohne Ziele ist ein Leben irgendwie langweilig.

Auf welchen Werten beruhen Deine täglichen Handlungen, Entscheidungen und Pläne?

So zu handeln, wie auch ich behandelt werden möchte. Ich bin sehr harmoniesüchtig und hasse es, wenn Konflikte entstehen. Sie müssen schnell geklärt werden. Entscheidungen werden bei uns im Familienrat gefällt. Jede Stimme zählt gleich viel. Und Pläne? Große Pläne sind ganz wichtig im Leben, damit man ein Ziel hat. Das ist bei mir persönlich die treibende Kraft. Kleine Pläne mag ich gerne spontan machen, was gerade passt.

Welche Hoffnungen hast Du?

Ich hoffe, dass immer mehr Menschen sich bewusster über ihre Handlungen und deren Auswirkungen werden.

Und welche Hoffnungen hast Du längst aufgegeben?

Ganz ehrlich? Ich finde, es ist so vieles möglich, man muss nur richtig anpacken.

Was würdest Du heute Deinem jüngeren ich raten?

Sich mehr zu vertrauen und selbstbewusster zu sein. Als junger Mensch achtet man sehr stark darauf, was die anderen möchten und hört weniger, was man selbst will.

Welcher Job war der schlimmste den Du je hattest?

Ich habe Zeitungen ausgetragen, in der Küche gejobbt, in einem Hotel Zimmer geputzt und Betten bezogen, später in einer Werbeagentur gearbeitet und hatte Jobs als Fotografin. Kein Job war richtig schlimm. Wenn man jetzt genau vergleicht, fand ich das Zeitungen austragen weniger cool, da ich ständig im Regen unterwegs war. Im Winter sind mir die Finger quasi abgefallen. Ich fand das manchmal schlimm.

Was glaubst Du, nimmt man Dir öfter übel?

Da ich über den grünen Lifestyle blogge, erwarten einige Menschen von mir, dass ich absolut „grün“ lebe. Es ist leider auch für mich nicht immer möglich, absolut grün zu leben. Ich muss im Alltag manchmal Entscheidungen treffen, die ich einfach nicht besser lösen kann – entweder es fehlt die Zeit für eine ausführliche Recherche (für eine Alternative) oder mir ist etwas noch nicht bewusst. Ich lerne ja selbst immer weiter und befinde mich auf dem grünen Weg. Ich bin nicht perfekt, ich bitte um Nachsicht. 😉

Was würdest Du selbst für viel Geld nicht tun?

Meine Überzeugungen über Bord werfen. Ich könnte damit nicht leben und nicht ruhig schlafen. Ehrlichkeit ist für mich eine sehr wichtige Basis, sonst hätte ich ständig nur Stress.

Wie sieht die erste Stunde Deines Tages aus?

Aufstehen, fertig machen (inkl. Kind) und bereits überlegen, was wir gleich essen werden. Ich finde es so schön, wenn die gesamte Familie am Tisch sitzt und Pläne für den Tag macht. Dabei frühstückt jeder, worauf er Lust hat.

Wem wärst Du lieber nie begegnet?

Im Nachhinein betrachtet fand ich zum Glück bis jetzt alle Begegnungen sinnvoll und wichtig, ganz egal, welche Gefühle und Nebenwirkungen sie mitbrachten. Davon lernt man und nimmt sehr viel Wichtiges für das weitere Leben mit.

Wie stellst Du dir Armut vor?

Ich denke, ich kann mir nur sehr wage eine richtige Armut vorstellen. Wir sind alle so reich. Vielleicht ist Armut für mich, wenn man wirklich nichts zu essen hat. Schließlich ist das unser Grundbedürfnis, ohne Essen (und Trinken) können wir nicht existieren. Ebenso schlimm finde ich, wenn jemand krank ist und den Angehörigen die Mittel fehlen, um zu helfen. Das fühlt sich sehr ohnmächtig an.

Wenn Du eine Stadt wärst, welche wärst Du und wieso?

Vielleicht Berlin. Diese Frage finde ich richtig schwer, da ich nicht so der Stadtmensch bin – wobei ich mit Stadt die Großstadt assoziiere. Berlin ist für mich sehr bunt, wild gewürfelt und kreativ.

Wenn Du als Tier wiedergeboren wirst, welches möchtest du sein?

Ich hätte gerne Flügel und wäre viel in der Luft – soviel weiß ich. Konkreter möchte ich mich nicht festlegen. Fliegen wäre toll, da ich gerne unabhängig bin.

Welchen Film muss man zwingend gesehen haben?

Einen Film, der die Augen öffnet und zum Nachdenken anregt. Viele empfehlen Earthlings. Ich muss zugeben, ich finde zwar, dass man diesen Film gesehen haben sollte, aber ich habe ihn nicht gesehen, weil ich weiß, dass er sehr hart ist. Dieser Film soll sehr gut bei der Umstellung auf ein veganes Leben helfen. Da ich jedoch bereits vegan lebe, weiß ich einfach, dass mich diese Bilder nur hart treffen werden, die Theorie ist mir ja sehr gut bekannt.

Welche 3 Bücher haben Dich am meisten beeinflusst?

In meinem Jugendalter habe ich das Buch „The Giver“ von Lois Lowry gelesen. Dazu gibt es auch seit einigen Jahren eine Verfilmung, die ich jedoch nicht wirklich empfehle. Das Buch hat mir gezeigt, wie wertvoll unser Leben in geistiger und körperlicher Freiheit ist. Sehr wichtig war für mich auch das Hörbuch „China Study“ von T. Collin Campbell, man kann es aber auch lesen. Es hat mir den letzten Schubser in das vegane Leben gegeben und die restlichen Zweifel beseitigt. Es ist ein wissenschaftliches Buch, aber für Laien geschrieben. Es ist schwer, ein drittes Buch herauszupicken. Gerne würde ich noch das Buch „Das heilende Bewusstsein“ von Joachim Faulstich empfehlen. Es hat mir geholfen, mit meinem Körper im Einklang zu leben und mich selbst heilen zu können. Wir alle haben einen inneren Arzt in uns, nur haben wir verlernt, auf ihn zu hören und ihn zu aktivieren. Wir geben gerne die Verantwortung einfach ab, aber das ist genau das Problem. Nicht jeder Arzt von außen weiß, was uns wirklich fehlt und gut tun könnte.

Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch 3 Dinge essen könntest, welche wären das?

Leckere Erdbeeren, Maiskolben und Erbsen aus meinem Garten.