Filling Your Hate:

How (not) to Tinder – Teil 1

Eine Umfrage in meiner Instagram Story ergab, dass Tinder tatsächlich euer Favorit ist, wenn es um einen neuen Auskotzartikel von mir geht. Sollt ihr haben! Bei einem romantischen Pasta Date mit mir selbst werde ich mich nun also gehörig in Rage schreiben. Da dieses Thema allerdings super umfangreich ist, habe ich das Ganze in zwei Teile aufgeteilt. Heute frühstücke ich alles das ab, wofür Tinder berühmt und berüchtigt ist – oberflächliche Kackscheiße – also in erster Linie: die Profile! Jeder, der oder die sich bei Tinder anmeldet weiß, dass es sich dabei um eine gnadenlos oberflächliche Sache handelt – zumindest vorerst. Man entscheidet aufgrund der reinen Optik und eines Profiltextes von maximal 500 Zeichen, ob man Kontakt zu jemandem aufnehmen möchte. Dass man sich da eigentlich von seiner besten Seite zeigen will ist ja irgendwie selbstredend – augenscheinlich haben viele Menschen aber eine konträre Meinung dazu, was genau diese beste Seite ist…

Disclaimer
Meine hier geschilderten Erfahrungen sind absolut subjektiv und sind eigene oder die von Freunden. Dieser Artikel spiegelt einzig meine persönliche Meinung wieder und ist kein allgemein gültiges Regelwerk. 

Der Ruf eilt dieser App voraus – auf Tinder ist man, wenn man eine schnelle Nummer sucht. Ich treibe mich nun schon seit fast 5 Jahren auf Tinder und Co. rum – immer mal wieder gab es lange Pausen oder kurze Aussetzer. Viele meiner Freunde sind ebenfalls dort angemeldet. Mit eben diesen habe ich in den letzten Tagen einige Gespräche geführt, um sicher zu gehen, dass meine Erfahrungen keine Ausnahme sind. Die allgemeine Erfahrung zeigt, dass der Ruf schlichtweg nur eine Ruf ist. Eine Vielzahl von Menschen ist durchaus auf längerfristige Zusammenkünfte aus – die meisten schließen One Night Stands grundlegend aus. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen, die die Regel bestätigen und einzig mit nacktem Oberkörper oder Fotos von Brüsten für sich werben. Glücklicherweise dominiert dies aber nicht! In dem übrigen Einheitsbrei von Fotos – und dazu gehörigen Menschen – die immer wieder gleich aussehen, gibt es nur selten Menschen, die sich anders oder positiv abheben. Damit zeigt Tinder allerdings einfach nur einen Querschnitt der Gesellschaft und die ist nun mal wie sie ist. Wenn man heutzutage vor die Tür geht, dann haben immerhin 80% der Menschen den selben “Style”, die gleichen Frisuren und alles wirkt irgendwie sehr monoton. Für den Fall, dass es euch bis heute nicht eh schon klar war, möchte ich euch jegliche Hoffnung nehmen, dass es online anders ist! 

Generell bin ich ein großer Fan davon, dass Mensch tun oder lassen kann, was er oder sie für sich selbst richtig hält, solange niemand anderes dadurch Schaden nimmt. Ich möchte also mit diesem Artikel kein Shaming betreiben. Ich möchte hier für alle Menschen ohne Tinder mal aufzeigen, was sie mit dieser App nicht verpassen und allen Menschen, die ihr Profil neu erstellen ein Paar Beispiele mit auf den Weg geben, wie es eben nicht geht! Ich gehöre zu den Menschen, die gerne ein Gesicht zu einer Konversation haben. Nicht, weil ich gnadenlos oberflächlich bin, sondern weil dies dem Ganzen eben etwas persönliches gibt. Wenn man auf einer Party oder einem Konzert jemanden kennen lernt, dann guckt man demjenigen ja auch ins Gesicht! Natürlich schwingt auch hier Oberflächlichkeit mit, davon kann sich wohl niemand frei sprechen, der oder die diese App nutzt. Einige Typen von Bildern tauchen auf Tinder im Rudel auf und wieso diese 0815 Aufnahmen so nerven, erklär ich euch jetzt in meinem No Go Ranking!

7 – Strandfotos

Gerne posiert Martin* (24) braun gebrannt, auf einer Palme, am Strand von Phuket. Immerhin hat er sein ganzes Leben für diese Reise gespart. Am liebsten trägt er dabei möglichst wenig, aber ganz wichtig ist die Sonnenbrille – und der Strand sollte 70% des Bildes einnehmen. Augenscheinlich gibt es genaue Anweisungen dafür, wie man solche Fotos zu schießen hat, denn nur das würde erklären, wieso sie alle gleich aussehen. Und ja, Leonie* du bist super Multikulti und dein Hobby ist Reisen. Allein durch Tinder kenne ich mittlerweile vermutlich jeden tropischen Strand der Welt und kann mir das selbst Reisen quasi sparen. Außerdem habe ich zwischenzeitlich in dieser App wohl mehr Menschen in Badehose, Bikini oder Badeanzug gesehen, als in meinem ganzen Leben zusammen und das waren zugegeben sehr viele. Mit in diese Kategorie gehören übrigens auch Tauchfotos oder Fotos im Skiurlaub – inklusive Ski Anzug. Der Hintergrund ist zwar wichtig, aber nichts alles, Freunde! 

 

6 – Fitnessstudios 

Ein Klassiker, oder? Gefühlt jedes zweite Profil auf Tinder wird flankiert von einem Foto im Fitnessstudio. Sitzend vor den Hanteln, schwitzend in der Umkleide oder posend mitten im Geschehen. Am besten noch mit Shaker in der Hand! Der vermeintlichen Kreativität hat hier leider nie jemand Grenzen gesetzt. Es ist ja echt toll, dass Jens* und Sophie* etwas für ihren Körper oder ihre Gesundheit tun – es ist auch wirklich zauberhaft, dass ihr Hobby sie so erfüllt. Aber WIESO in Dreiteufelsnamen muss man sich dabei fotografieren? MACHT VERDAMMT NOCHMAL SPORT, WENN IHR ZUM SPORT GEHT! Natürlich darf Jens* stolz auf seine Muskeln sein, ich persönlich stehe aber einfach nicht auf Menschen, die sich so extrem über ihren nackten Körper definieren, dass sie ihn ständig in eine Kamera halten müssen. Es gibt draußen sicher Menschen, die das ganz toll finden. Ich bin definitiv keiner davon! Ähnlich verhält es sich mit Posing vor Autos und Co.!

 

5 – Fotos mit Kindern 

Liebe Claudia*, lass uns doch bitte mal ganz kurz über die Persönlichkeitsrechte und die Sicherheit deines Kindes sprechen! Auf Tinder gibt es ziemlich sicher einige Menschen, die keine guten Absichten haben und das Gesicht deines Sprösslings in die Kamera zu drücken verletzt eben nicht nur die Persönlichkeitsrechte – die durchaus auch schon ein Säugling hat – des Wurms, es kann eben auch bei einem falschen Menschen zu einer Katastrophe führen. Nun stell dir doch bitte mal vor, dass dein Match mit einer späteren Abfuhr nicht klar kommt, weiß in welcher Stadt du wohnst und wie dein Kind aussieht. Klug ist anders! Ich persönlich finde es allgemein ziemlich fragwürdig, wie unbedacht Menschen Fotos ihrer, größtenteils wehrlosen, Kinder ins Netz stellen. Es ist zwar schön und gut, dass Ben* dazu steht Alleinerziehender Papa zu sein, aber dafür muss eben kein Kind oder sogar dessen Gesicht zu sehen sein. Immerhin lerne ich ja in erster Linie nicht das Kind kennen!

 

4 – Verdeckte Gesichter 

ln diese Kategorie fallen Bilder mit Sonnenbrille genau wie die allseits beliebten Hundefilter. Ebenso ungeil sind Bilder mit Cap im Gesicht oder – noch besser – von hinten! Ein schöner Rücken kann zwar auch entzücken, aber ich ziehe es dann doch schon vor den Menschen, mit denen ich kommuniziere, ins Gesicht zu gucken. Auch digital! Lieber Karsten*, du siehst faktisch mit Sonnenbrille aus wie ein anderer Mensch – nicht ohne Grund tragen Menschen Masken und Brillen, wenn sie Banken ausrauben. Das sieht auch einfach nicht cool aus – echt nicht – und dein Gesicht zu verdecken ist gerade auf einer Plattform wie Tinder, auf der ich anhand eines Furzes von Information entscheiden muss, ob du mir sympathisch bist, nicht gerade die klügste Taktik. Wenn du nicht erkannt werden willst, weil dir Tinder peinlich ist oder du deine.n Partner.in betrügst, dann solltest du es vielleicht besser direkt lassen? Also, nur so ein ganz nett gemeinter Rat..

 

3 – Stockfotos und Nahaufnahmen 

Ein absoluter Dauerbrenner auf Tinder sind Nahaufnahmen oder Stockfotos. Hier greift ähnlich wie beim vierten Beispiel die Devise – wenn du nicht erkannt werden möchtest, dann lass es einfach direkt sein! Nahaufnahmen von Augen sind auch immer wieder anzutreffen – der Spiegel der Seele, ja ja. Was dem ganzen aber die Krone aufsetzt sind Fakes. Menschen, die Stockfotos oder eben Fotos von anderen Menschen nutzen. Damit konfrontiert versuchen die meisten dann noch zu erklären, dass sie es wirklich wären. Natürlich Saskia*, du siehst nur zufällig aus wie diese Darstellerin von dieser komischen RTL Sendung und wohnst halt auch echt super zufällig in meiner Nachbarschaft – nicht in Berlin – und sitzt gerade in deinem Jogger auf der Couch. Hey, letzteres glaube ich dir sogar! Was denkt sich jemand, der ein Foto von George Clooney oder Megan Fox als Profilbild nutzt eigentlich dabei? Welchen nutzen hat diese App denn, wenn man nur mit Menschen schreibt? Ich persönlich möchte schon Menschen in der Realität kennen lernen…

 

2 – Gruppenfotos 

Du hast Freunde, Tom* – herzlichen Glückwunsch, das ist wunderbar! Soll ich jetzt würfeln oder Schnick-Schnack-Schnuck spielen und hoffen den oder die richtige zu treffen? Und überhaupt, wissen die anderen Menschen auf dem Bild eigentlich, dass sie dein Tinder Profil schmücken? Und Linda*, kann ich deine Freundin da links vorne kennen lernen? Die wirkt irgendwie sympathischer als du. Auf der einen Seite ist es ja durchaus schön Menschen in einer natürlichen Umgebung zu sehen und nicht nur auf gestellten Selfies. Ein Foto mit drei bis dreißig anderen Menschen ist allerdings eher eine unpassende Anlehnung an “Where is Waldo?”. Ich bin vermutlich kleinkariert und als Fotografin einfach berufsgeschädigt, aber ähnlich wie bei der Kindernummer gilt auch hier das Persönlichkeitsrecht der anderen Menschen und ich befürchte, dass bei den meisten Menschen auf diesen Fotos keine Zustimmung vorliegt, sie als Vorzeigeobjekt auf Tinder zu nutzen. 

 

1 – Moralisch fragwürdige Aufnahmen 

Viele Profilbilder sagen weitaus mehr über den Menschen dahinter aus, als es ein eigens geschriebener Profiltext je könnte. Ein absolutes No Go für mich persönlich sind vermeintlich lustige Aufnahmen an Holocaust Mahnmalen oder auf Friedhöfen. Wenn ich noch eine Clara* oder einen Lukas* auf den Steinen in Berlin klettern oder sitzen sehe, dann kotze ich in diese App. Wie kleingeistig muss man für soetwas eigentlich sein? Fotos mit toten Tieren, die man stolz präsentiert, weil man sie geangelt oder geschossen hat sind leider keine Seltenheit und treiben mir regelmäßig den Hass den Rücken runter. Dann gib es noch Menschen, die mit exotischen Tieren posieren. Egal ob ein Ritt auf einem Zirkuselefanten oder ein schneeweißes Lächeln neben einem benebelten Tiger – es widert mich so maßlos an. Da könnte mein optischer Traummensch abgelichtet sein und ich könnte es trotzdem niemals mit mir vereinbaren, so jemanden zu matchen. 

 

Last but not Least – Die Profiltexte

Ehe dieser Beitrag hier maßlos eskaliert und man mir am Ende noch vorwirft Menschen zu blamen, komme ich zurück zu einer weniger oberflächlichen Sache, die allerdings absolut essentiell ist – die Profiltexte! Auch hier gibt es Dinge, die immer und immer wieder zu lesen sind und genau so nervig sind wie das 60. Strandbild. Ein Ranking werde ich hier nicht erstellen, aber es gibt durchaus Dinge, die man meiner Meinung nach getrost weg lassen könnte. Allem voran die Profile ohne Text. Ich meine, ich habe ohnehin nur die Fotos und deinen Text, lieber Kai*, um zu entscheiden, ob ich dich kennen lernen möchte – und du schreibst einfach… nichts?! Wow. Wenn dein Profil in einer Datingapp dir so viel Aufwand wert ist, dann möchte ich auf Chats oder Dates mit dir durchaus verzichten! Und ja, Chris* – Size does matter, für einige Menschen, aber ausschließlich die Körpergröße im Profil zu haben sagt ungefähr so viel über dich als Menschen aus wie die Tatsache, dass du Organe hast. I mean, really? Etwas aussagekräftiger und trotzdem absolut sinnfrei ist ein Profil, welches allein einen Instagramlink zu einem privaten Profil enthält – nein, ich möchte deine Insights nicht hoch treiben, Linda* – oder nur von Emojis geschmückt wird. Lässt zwar durchaus Raum für eigene Fantasie, aber die hilft ja nicht dabei einen fremden Menschen einzuschätzen. 

Absolute No Gos gibt es natürlich auch hier. Das bisher beschriebene ist einfach nur nicht förderlich – wenn Mensch nun aber anfängt andere Menschen schlecht zu reden, Rassismus oder Bodyshaming betreibt, dann hört es für mich auf. Aussagen wie “Wenn du Türke bist, verpiss dich!” oder “Ich ficke keine Fetten.” sind leider keine Seltenheit und absolut widerlich! Auch gerne genommen sind so pseudolustige Texte wie “Wenn du nicht aussiehst wie auf deinen Fotos, zahlst du so lange die Drinks, bis du es tust.” – einfach nein! Selbstverherrlichung sagt auch mehr über den Charakter eines Menschen aus, als man ursprünglich vermutlich wollte. Für mich persönlich ist Rechtschreibung ebenso echt wichtig – gerade bei einem Profil, für welches man sich ja durchaus Zeit nehmen kann und sollte, erwarte ich irgendwie schon ordentliche Grammatik – oder zumindest keine absolut vermeidbaren Fehler. Hier ein Paradebeispiel dafür, wie es nicht geht: 

Am besten und einfachsten ist es direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Verkauft euch dem Gegenüber so gut und trotzdem so ehrlich wie möglich! Was sind eure Absichten? Wollt ihr wirklich nur Sex, eine ernsthafte Beziehung oder lasst ihr euch lieber treiben? Was sind eure Interessen? Was macht euch aus? Worauf legt ihr wert? Ihr habt zwar nur 500 Zeichen, aber daraus lässt sich definitiv etwas machen, um einen guten ersten Eindruck zu vermitteln. Wenn es euch wichtig ist, dass erwähnt eure Körpergröße – erzählt, dass ihr die beste Bolognese unter der Sonne macht oder ergänzt euer Profil um passende Emojis. Aber bitte beschränkt es nicht darauf. Nehmt euch Zeit für euer Profil, aktualisiert es am besten sobald sich etwas ändert und überlegt euch genau, ob ihr euch über ein solches Profil in der Masse aus Langeweile freuen würdet. Und bitte, wenn ihr schon denkt, dass es wichtig ist zu wissen, dass ihr kifft, dann schreibt das bitte auch so und greift nicht auf 420 als “heimlichen Code” zurück. Wie alt seid ihr denn?!

Sei du selbst, ohne Statussymbole oder Anhängsel 

Meine Aufmerksamkeit bekommen im Regelfall die Menschen, die sich auf ihrem Profil so vielseitig wie möglich zeigen und dabei ihre sympathische Seite zeigen. Egal ob ein Schnappschuss, ein Shooting oder ein Selfie – ich mag echte Menschen und den meisten anderen da draußen geht es laut meiner allgemeinen Umfrage ähnlich. Erfahrungen zeigen, dass ich die besten Matches und Dates mit Menschen hatte, die auf ihren Fotos keine Show abziehen oder sich mit vermeintlichen Statussymbolen zeigen. Ein Lächeln, eine Grimasse, ein Bild von einem Festival, auf dem man feiert oder tanzt. Profiltexte die reflektiert sind oder Humor beinhalten – abseits von Zitaten – das sind Menschen, die ich kennen lernen will! Mein Profil schmücken Bilder, die einen Querschnitt von mir zeigen: ein ungeschminktes Bild, eines mit Gesichtskirmes, eines mit Makeup (wie ich im Alltag aussehe) und diverse Bilder auf denen man meine Statur sieht. Dabei trage ich Shirts mit Texten, die direkt meine Ansichten vermitteln. In meinem Profil steht ziemlich genau was ich nicht will und ich beschreibe meine Vorlieben, Hobbies und Abneigungen. Ja, das geht in einem so kurzen Text. Das Feedback zu meinem Auftreten auf Tinder war bisher ziemlich einheitlich und ergab sinngemäß folgendes: Anders zu sein ist super! Aufzufallen und keines der langweiligen Einheitsbrei-Profile zu haben ist absolut keine Sünde. Den besten Eindruck bekommt man natürlich Live, aber da muss man ja auch erst einmal hin kommen…

 

Auf dem Weg dahin muss man auch noch am ersten Kontakt vorbei – hier reihen sich nochmal eine Menge No Gos ein – und darüber schreibe ich dann im nächsten Teil.

 

*Name geändert 

 

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Und jetzt seid ihr gefragt! Verleiht diesem Artikel eure Stimmen! Hast Du noch etwas zum Thema beizutragen und ich darf Dich hier drunter anonym zitieren? Dann freue ich mich über eine Nachricht von Dir!

 

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