In letzter Zeit erreichen mich immer mehr Mails mit der Frage wie ich eigentlich meine neuen Bilder bearbeite und ob ich mein Geheimnis dazu verraten würde – klar würde ich das! Ein wirkliches Geheimnis ist so ein „gutes Foto“ nämlich nicht, wenn man sich erst einmal mit der Materie befasst. Gestern Abend postete ich auf meiner Facebook Seite eine Vorher-nachher Foto der Banane, die hier auch als Titelbild dient. Dazu den Text:

Dieses Vorher- nachher Foto ist mal wieder der Beweis dafür, dass man sich NIE von dem täuschen lassen sollte, was man sieht! Vorher sah mein Frühstück auch lecker aus – war es auch! – aber nach 30 Minuten mit Photoshop ist es ein Eye Catcher, nur leider nicht mehr real. Eine fliegende Banane, noch grünere Kiwibeeren und alles zum Greifen nah. So gut wie jeder Foodblogger bearbeitet seine Bilder nach! Sei es nun ein Filter, begradigen der Lichtkurven oder ganze Montagen wie hier meine. Das gehört einfach dazu. Wenn euer Essen also mal nicht 1 zu 1 aussieht wie im Kochbuch oder auf dem Blog, zweifelt nicht an eurer Fertigkeit und wundert euch nicht: das Original tut es oft auch nicht.

Es folgte ein Kommentar eines Seitenbetreibers, dass nicht alle Blogger bearbeiten würden – darauf folgte eine Mail, in der man sich damit profilierte, dass die nicht bearbeiteten Bilder seiner selbst den Kunden eh viel besser gefallen würden, ein Kindergartenpost bei Facebook auf der eigenen Seite, in dem man sich über Fotobearbeitung lustig machte, eine Blockade seinerseits und anschließend noch ein Kommentar in meinem Instagram. Ich persönlich war der Meinung man könne auch aus seinen Bildern noch eine Menge rausholen – aus fachlicher Sicht, die ich nun mal habe – was mit einem “Meine Bilder sind gut wie sie sind!” abgewehrt wurde. Zugegeben Objektive und Subjektive Meinungen, die hier aufeinander trafen und keine Kritikfähigkeit auf der anderen Seite. Selbst Beschwichtigungen meinerseits, dass am Ende jeder selbst nur seine Bilder mögen muss waren erfolglos. Am Ende viel Affenzirkus um eine einfache Aussage, die ich getätigt habe und die viele meiner Blogger- und Fotografenkollegen bestätigten. Eine Aussage mit der ich niemanden angegriffen habe – eher im Gegenteil. Man sieht daran mal  wieder, dass dieses Blogger Dasein wirklich einem Haifischbecken gleicht und das stimmt mich immer wieder aufs Neue ziemlich traurig..

Zurück zu meiner Kernaussage und dem eigentlichen Thema dieses Beitrags: Food Fotografie! Die Aussage die ich gestern tätigte ist heute auch noch eine, hinter der ich zu 100% stehe. Aus vielen Bildern kann man noch mehr raus holen indem man einmal kurz Lightroom anwirft oder einige Lichtkurven begradigt – und auch wenn besagter Seitenbetreiber es versucht abzustreiten – dies tun sicher mehr als 95% der erfolgreichen Blogger auch. Ich habe Fotografie von der Pike auf gelernt – die Fotos die “out of camera” kommen sollten natürlich schon das nötige Potenzial haben und nicht mehr viel Bearbeitung benötigen, dennoch ist es sinnvoll immer noch einmal an ein oder zwei Reglern zu schieben. Ob man dies nun tut oder nicht, bleibt am Ende jedem selbst überlassen! Ich persönlich mag es, dass meine Bilder einen eigenen Stil haben und finde die bearbeitete Version oft schöner. Das liegt aber sicher an meinem Fotografen-Blick. Das folgende Bild ist sogar mit dem Handy entstanden. So ein Smartphone hat meist keine Tiefenunschärfe oder ähnliches – nur die Bearbeitung lässt es in diesem Fall wirken wie eines aus einer richtigen Kamera.

Viele große Firmen heuern extra Foodstylisten an – deshalb sieht das Essen in der Verpackung auch nie aus wie der “Serviervorschlag” oben drauf. Es ist bekannt, dass beispielsweise die Burger, die man aus der Werbung von McDonalds und Co. kennt, nicht essbar sind. Für die Fotos wird mit Silikon, Haarspray und Latex gearbeitet. Kein Witz! Wenn ihr ein Kochbuch aufschlagt könnt ihr euch auch ziemlich sicher sein, dass in einem nahezu 100%igen Fall die Bilder so nicht aus der Kamera kamen, aber das ist auch völlig in Ordnung so! Zumindest in Kochbüchern seht ihr immerhin Essen vor euch, dass man auch im Original wirklich essen konnte. Als ich mit 15 angefangen habe zu kochen, habe ich mich immer geärgert, weil das Essen im Buch immer so viel schöner war als meins. Am Ende zählt natürlich nur, dass es schmeckt, aber so einen gewissen Ehrgeiz hat man auch schon als Teenager. Dass mein Essen nicht so aussah wie im Buch lag allerdings schon damals nicht an meinen Kochkünsten – ich hatte einfach weder die Erfahrung im Anrichten, noch im Fotografieren. Übung macht den Meister – das zeigen auch meine Bilder von 2012 und 2017 im Vergleich:

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Ein gutes Foto von seinem Essen zu machen ist nämlich gar nicht schwer, auch wenn man kein Blogger ist! Es gibt nur ein paar Dinge die man beachten sollte und schon kann jeder, auch mit dem Smartphone, ein schönes Foto zaubern:

  • Frische Zutaten sind das A und O!
    Wenn man frische Zutaten verwendet, spart man sich ganz oft viel Bearbeitung und Fummelarbeit beim Anrichten, da das Essen automatisch lecker und frisch aussieht.
  • Gutes Licht ist fast genau so wichtig!
    Man sollte darauf achten, dass man an einem Fenster fotografiert, sofern man keine Tageslichtlampe hat. Natürliches Licht schafft einen schönen Eindruck – normale Raumbeleuchtung ist oft gelblich und verfälscht die Farben im Bild.
  • Zeit nehmen zum Anrichten!
    Ich brauche mittlerweile nur noch wenige Momente bis ich alles so liegen habe, dass es mir gefällt und auf dem Foto gut wirkt. Gerade am Anfang solltet ihr euch allerdings Zeit nehmen und andere Positionen austesten. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Ob ihr nun einen Teil der Zutaten als Deko nutzt oder einfach nur den Teller knipst bleibt euch und eurem eigenen Stil überlassen!
  • Möglichst große Bilder machen!
    Meistens kann man im Smartphone selbst einstellen, wie groß die Bilder sein sollen. Am besten nimmt man hier die höchste Auflösung. Wer Angst um seinen Speicherplatz hat kann direkt danach das Bild per Email versenden und wieder löschen, dann kanns direkt mit dem nächsten weiter gehen.
  • Nicht zu nah ran!
    Wie ihr an meinem zweiten Vorher-nachher Foto oben seht, habe ich vor meiner Fotografenlaufbahn auch noch schön nah auf den Teller gehalten. Vorausgesetzt ihr habt kein Makroobjektiv, fotografiert als mit der richtigen Kamera, und wollt nicht unbedingt den kleinsten Krümel im Detail haben solltet ihr lieber immer ein gutes Stück vom Objekt entfernt knipsen.
  • Bildschnitt ist ein guter Schnitt!
    Wenn ihr einen Teller fotografiert achtet darauf, dass er nicht direkt in der Mitte des Bildes ist. Fotografiert ihr hochkant, sollte der Teller in den unteren beiden Dritteln sein. Ist das Foto im Querformat, sollte der Hauptfokus in den zwei linken ODER rechten Dritteln sitzen.
  • Linse sauber halten und Autofokus nutzen!
    Wenn man mit dem Smartphone fotografiert sollte man zuvor die Linse einmal abwischen. Durch täglichen Gebrauch könnte dort ein Fingerabdruck oder Fettfleck sein, der das Bild unschön unscharf macht. Die meisten Handys nutzen den Autofokus. Diesen sollte man kalibrieren indem man in die Mitte des Tellers tippt. So fokussiert das Handy auf diesen Punkt und passt die Belichtung der Umgebung an.

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Nicht alle diese Punkte gelten immer – bei meinem Handyfoto hier, bei normalem Tageslicht, habe ich z.b. trotzdem voll auf den Teller gehalten, weil das Umfeld nicht sonderlich hübsch war. Dennoch habe ich den Schnitt beachtet: Wurst und Kartoffel, also Hauptobjekt sind in den zwei rechten Dritteln. Beherzigt man also einige oder alle dieser Regeln, sollte man schon ein ordentliches Bild produziert haben. Dieses könnt ihr natürlich auch so schon nutzen – wer aber ein kleiner Perfektionist ist, kann sich jetzt noch an die Bearbeitung machen. Ich selbst habe viele Jahre mit Handy fotografiert obwohl ich die richtige Kamera samt Ausbildung schon hatte. Ich war einfach nur immer zu faul mich an den PC zu setzen um Bilder zu bearbeiten. Mittlerweile sehe ich das anders. Für mich ist die Bearbeitung am Handy nicht mehr ausreichend und ich mag es spezielle Looks zu zaubern – wie etwa die fliegende Banane. Im Regelfall reicht aber schon die Bearbeitung am Smartphone selbst, aber auch hier gibt es wichtige Punkte:

  • Finger weg von Filtern!
    Die meisten neigen dazu ein oder zwei Filter über ihre Bilder zu legen, et voila! Ich kann euch davon nur abraten. Die Filter versauen oft das gesamte Licht im Bild und machen das Bild eher unscharf als es zu bereichern.
  • Bearbeitungs-App vor internen Bearbeitungen!
    Die meisten Smartphones haben interne Bearbeitungsmöglichkeiten die aber leider oft nicht viel Raum bieten (abgesehen von Apple). Ladet euch am besten eine fähige App herunter – beispielsweise PicsArt – und macht euch damit vertraut. Ihr könnt in diesen Apps oft die Farben und Lichtkurven der Bilder ähnlich bearbeiten wie am PC.
  • Bearbeiten immer mit Kopie!
    Egal ob am Handy selbst oder am PC – überschreibt NIE das Original. Am PC habt ihr den Vorteil, dass ihr mit vielen Ebenen arbeiten und jeden einzelnen Schritt rückgängig machen könnt – am Handy ist es am wichtigsten neu zu speichern. Wenn ihr euch unsicher seid, dann lieber von vorn anfangen.
  • Schaut euch Tutorials an!
    Solltet ihr doch lieber am PC bearbeiten wollen, dann schaut euch am besten ein Paar Tutorials an um die Grundlagen der Lichtwerte- und kurven zu verstehen. Der Rest heißt: Probieren über Studieren.
  • Photoshop ist nicht das Ende der Fahnenstange!
    Ich habe mit Photoshop gelernt und dennoch nutze ich privat am PC lieber das kostenlose Pendant GIMP – gerade für Laien ist dieses Programm (zumindest anfangs) leichter zu verstehen, da weniger Fachbegriffe genutzt werden.

Wenn ihr euch jetzt das erste Mal vornehmt ein Foto von etwas Essbarem zu machen, sind das auf den ersten Blick viele Punkte auf die ihr achten solltet – tatsächlich sind das aber alles Kleinigkeiten, auf die ihr früher oder später automatisch achtet. Man entwickelt dafür eine Art Gespür und Blick! Am Ende sind das hier, genau wie meine Rezepte, alles aber nur Tipps die ich euch als Fotografin mit auf den Weg gebe und keine einzig wahren Mittel und Wege zum perfekten Bild. Perfekt sind ohnehin keine dieser Foodbilder so recht – eure Bilder müssen in erster Linie euch gefallen!