Cold Brew 

Die beste Entdeckung des letzten Jahres oder unnötiger Trend?

Cold Brew ist in aller Munde – im wahrsten Sinne! Aber wieso eigentlich? Reicht es nicht auch, wenn man einfach kalten Kaffee trinkt? Tatsächlich muss man für den “kalten Kaffee” oft mehr zahlen als für den “normale Kaffee”. Lassen sich irgendwelche Gastronomen und Firmen einen neuen Trend vergolden oder steckt wirklich was dahinter? Was genau rechtfertigt den höheren Preis und wieso bekommt man Cold Brew plötzlich von gefühlt jeder Firma, an jeder Ecke? Das alles sind Fragen, die ich mir selbst wirklich häufig gestellt habe und ich habe mich ziemlich lange gegen diesen Trend gewehrt. Offen gestanden einfach, weil ich zu geizig war 3€ für einen Kaffee zu zahlen, wenn ich auch einen für einen haben kann. 

Zugegeben, obwohl ich eine goldene Kundenkarte von dem Coffee House mit der grünen Meerjungfrau habe, war ich nur kurze Zeit wirklicher Fan von Kaffee. Zu der goldenen Karte komme ich nur dank zu wenig Schlaf während meiner Ausbildung und der Tatsache, dass außer diesem Store kein anderer Sojamilch führte vor 4 Jahren. Schwarzer Kaffee war NIE mein Fall und von den Massen an Kaffeekonsum war ich auch zügig wieder weg, da ich ziemlich oft Sodbrennen, Bauchweh oder Herz rasen davon bekommen habe. Vor gut 2 Jahren schon bin ich größtenteils aus Matcha umgestiegen, dessen Teein bei mir auch viel mehr zum wach werden beiträgt als das Coffein im Kaffee. Und trotzdem habe ich mich mit diesem tollen “kalter Kaffee”-Trend befasst! 

 

 

Auch wenn Cold Brew viele an einfachen kalten Kaffee erinnert, ist es das im Grunde nicht. Cold Brew bedeutet nicht “kalter Kaffee” sondern “kalt aufgebrühter Kaffee” – aber wozu? Der Geschmack ist doch nahezu identisch? Nahezu, zugegeben, ich persönlich finde Cold Brew durchaus aromatischer. Mitte 2017 sprießten die Firmen aus dem Boden, die Cold Brew ins Sortiment übernahmen. Selbst Mövenpick hatte plötzlich einen Kaffee im Kühlregal, den man als Veganer für unterwegs kaufen kann – im Plastikbecher, daher wieder etwas fragwürdig, aber hey! immerhin. Dieser war tatsächlich auch meine erste Begegnung mit dem Trend nach einer durchfeierten Nacht. Wirklich überzeugt hat mich das Zeug nicht, deshalb hatte ich das “Gesöff” direkt abgeschrieben und keinen weiteren Gedanken daran verschwendet. Nachdem man nach und nach aber überall damit beworfen wurde, konnte selbst ich kaum noch ausweichen, also gab ich dem Ganzen nochmal eine Chance. Allerdings gab es diesmal selbst gemachten Cold Brew!

Was ist hier eigentlich der Unterschied zu einfachem Kaffee? Im einfachsten Sinne eigentlich nur der, dass man kaltes Wasser nimmt anstatt kochendes und das ganze Prozedere länger dauert. Aber das ist wirklich nur die einfache Erklärung. Ihr wollt es umfangreicher? Kann ich! Fangen wir bei Null an. Im hippen 21. Jahrhundert griff die Slow Food Bewegung diese alt eingesessene Technik wieder auf und verkaufte sie als “den neusten Scheiss”, aber wie das bei fast allen Trends der Fall ist, war sie das natürlich unterm Strich nicht. Das Verfahren, dem Cold Brew zugrunde liegt, gibt es seit nunmehr 300 Jahren. Erstmal nutzten niederländische Händler diese Technik im 17. Jahrhundert um ihren Kaffee zubereiten zu können, ohne dabei von etwaigen Hitzequellen abhängig zu sein. Der Kaffee wird dabei wie üblich gemahlen und dann in kaltes Wasser gegeben – ja, in! – man lässt nicht einfach nur kaltes Wasser durch den Filter laufen, denn der Kaffee muss IN dem Wasser zwischen 8 und 14 Stunden ziehen. So gibt er nicht nur seine Nährstoffe, sondern auch massig Aroma ans Wasser ab. Diese Technik habe auch ich genutzt und meinen Kaffee einfach am Vorabend schon in meine Frenchpress gekippt. Am nächsten Morgen war mein Kaffee fertig. Für all jene, die den WARMEN Kaffee am morgen brauchen ist dieser Trend wahrlich nichts, denn selbst die Milch, die in den Kaffee kommt sollte kalt sein um das Aroma und die Nährwerte zu bewahren. 

 

 

Mittlerweile gibt es einen Haufen an Geräten, die das kalte aufbrühen noch perfektionieren sollen. Einen Cold Dripper* zum Beispiel, bei dem das Wasser nur tröpfchenweise in den Filter tropft und sich somit sehr langsam seinen Weg durch den gemahlenen Kaffee bahnt. Braucht man sowas? Ich persönlich finde eine einfache, günstige Frenchpress* tut es auch! Ich habe die große Kanne von Emsa und bin damit seit über einem Jahr sehr glücklich – ein vergleichbares, günstigeres Modell bekommt ihr aber auch bei Ikea und nebenbei kann man diese auch noch perfekt für Tee nutzen. Wichtig ist vor allem, dass man einen hochwertigen Kaffee nutzt und sich diesen entweder grob mahlen lässt oder am besten sogar selbst frisch mahlt. Dafür braucht es nicht unbedingt noch ein weiteres Gerät in der Küche, ein Mixer kann das durchaus auch. Mehr muss man bei der Zubereitung eigentlich nicht beachten! Dennoch habe ich euch hier nochmal die Basics in einem kleinen Rezept zusammen gefasst:

Cold Brew


Ergibt: 500 ml
Zutaten
  • 100 Gramm grob gemahlener Kaffee
  • 500 ml Wasser (Raumtemperatur oder leicht kalt)
Anleitung
  1. Den Kaffee und das Wasser in ein Gefäß oder in eine Frenchpress geben und gut vermischen. 

  2. Das Gefäß abdecken oder den Deckel auf die Frenchpress setzen. 

  3. Den Kaffee über Nacht - mindestens 8 Stunden - in den Kühlschrank stellen und am nächsten Morgen absieben. 

  4. Der Kaffee hält sich im Kühlschrank bis zu 14 Tage und sollte immer noch zusätzlich verdünnt werden mit kaltem Wasser, kalter Milch oder Eiswürfeln!

 

Zurück zur Anfangsfrage: Ist Cold Brew nun die beste (Neu-)Entdeckung des letzten Jahres oder ein unnötiger Trend? Wie bei allen Dingen mit denen ich mich befasse und zu denen ich meinen Senf dazu gebe gilt auch hier, dass sich jeder selbst sein Bild machen sollte. Meine Beiträge spiegeln natürlich nur MEINE Meinung wieder. Dass nun gefühlt jede zweite Firma ein überteuertes Fläschchen mit Cold Brew auf den Markt bringt ist in meinen Augen überspitzt und unnötig. Selbstmachen ist nicht nur günstiger, sondern auch schlichtweg besser. Cold Brew enthält weniger Säure und weniger Bitterstoffe – letzteres wertet den Geschmack unheimlich auf. Plötzlich mag ich Kaffee auch gerne schwarz! Ohne Zucker und ohne Milch – hätte mir das vor einem Jahr jemand erzählt, hätte ich nur müde gelacht. Durch die reduzierte Säure verursacht Cold Brew schlussendlich weniger Bauchweh und Sodbrennen – zumindest bei mir – und damit liefert diese Tatsache auch schon den größten Vorteil und diesen schätze ich persönlich sehr! Eigentlich habe ich dem Kaffee vor Jahren nur abgeschworen, weil beides bei mir viel zu häufig der Fall war – und damit ist mit Cold Brew endlich Schluss. Ein weiterer Vorteil: Ich verzichte auf die Kaffeemaschine und habe somit ein Küchengerät weniger (von denen ich eh zu viele habe) und spare Strom. In meinen Augen bietet diese vermeintliche Neuentdeckung nur Vorteile. Wer seinen Kaffee allerdings am liebsten brühend heiß trinkt wird mit diesem Trend natürlich nicht bedient.. aber der Sommer ist ja nicht mehr allzu fern!