Caroletta – eine Künstlerin vorm Herrn, vor der ich meinen nicht vorhandenen, aber sinnbildlichen Hut ziehe! Frau C. hat sich auf meinen Aufruf für neue Interviews gemeldet und dafür danke ich ihr heute noch, denn ohne den Schritt aus ihrer Richtung wäre ich nie auf ihren großartigen Blog Art & Almonds aufmerksam geworden. Sie schreibt in ihrem Blog nicht nur über vegane Rezepte, Lifestyle und andere Dinge sondern fabriziert als Caroletta auch noch wunderbare Kunstwerke!

Hinter dem Synonym steckt Carolin – sie lebt und wirkt in Berlin – und strahlt bei allem was sie tut durch ihre Bilder und ihr Lächeln eine so unendliche Leichtigkeit aus. Ich selbst habe viele Jahre gezeichnet, gemalt, fotografiert – sogar Kunst studiert und als Fotografin und Tätowiererin gearbeitet – und möchte, nein, muss einfach einen Kniefall vor so viel Kreativität machen. Alle Menschen da draußen, ob nun vegan oder nicht, sollten unbedingt kennen lernen was Carolin erschafft, wenn dies nicht schon geschehen ist! Ich persönlich bin nicht nur verrückt nach ihrer Kunst sondern auch nach ihren Fotos und Rezepten. Diese Dame vereint so viele Talente in sich, dass man sie einfach nur mögen kann. Auf meiner to-do Liste für die nächste Zeit ist der Punkt „Mehr Menschen wie Caroletta auch live kennen lernen“ weit nach vorne gerutscht. In einem kleinen Interview hat sie mir ein Paar Fragen zu ihrem Blog und sich selbst beantwortet..

 

Wir fangen mit der langweiligen Standardfragen an: Wie bist Du dazu gekommen vegan zu leben?
Ich habe es schon als kleines Kind nicht fertig gebracht, Fleisch, Fisch und Wurst zu kauen oder gar runterzuschlucken. Das hat in mir ein tiefes Ekelgefühl ausgelöst. Meine Eltern haben dann irgendwann dem Kindergarten und später der Schule Bescheid gegeben, dass ich das nicht essen muss und niemand mich zwingen soll, es „wenigstens mal zu probieren“. Das ist jetzt fast 30 Jahre her. Milch getrunken, sowie Käse und Eier gegessen, habe ich trotzdem ganz lange, bis sich mein (damals noch allesessender) Mann vor 4 Jahren sehr ausführlich mit dem Thema Veganismus auseinandergesetzt hat. Wir haben dann beide viel dazu gelesen und irgendwann einfach gemeinsam unseren Speisplan umgekrempelt.

Fiel Dir die Umstellung damals schwer?
Mir fiel die Umstellung nicht besonders schwer. Ich brauche auch keine Ersatzprodukte, die mich an Fleisch erinnern. Das war mir persönlich eh schon immer zu nah am Original. Das Thema Käse weglassen war anfangs  nicht ganz so einfach für mich. Aber es gibt ja mittlerweile auch sehr leckeren veganen Käseersatz, für Pasta, Aufläufe, o.ä.

Wie kam es dazu, dass Du das bloggen gestartet hast?
Mein erster Blog sollte nur so ein bisschen meine Arbeit als Malerin und Illustratorin dokumentieren. Irgendwann verlagerten sich dann aber die Schwerpunkte und die Themen über die ich schrieb wurden vielfältiger. 2015 hab ich dann einen neuen Blog gestartet und mich nochmal komplett neu sortiert. Erst seitdem gibt’s die Rezepte-Kategorie.

Was würdest Du jemandem als Tipp mit auf den Weg geben, der das Bloggen beginnen möchte?
Für mich ist, neben interessanten Inhalten, vor allem die Optik und die Bedienbarkeit eines Blogs ausschlaggebend dafür, ob ich einen Blog lese oder nicht. Ich würde jedem, der das Bloggen beginnen möchte, raten in ein ordentliches Theme zu investieren und von Anfang an auf ansprechende Bilder zu achten. Außerdem ist es ganz gut, zumindest einen groben Plan zu haben, über was man in der ersten Zeit so schreiben möchte.

Was ist Dein persönliches Lieblingsrezept, von Deinen Rezepten – und wieso?
Mein absolutes Lieblingsessen sind Gnocchi Al Forno. Schon immer gewesen. Ich weiß auch nicht warum. Da könnte ich mich reinlegen.

Gibt es Dinge am vegan sein die Dich nerven oder die Dir schwer fallen?
Mich nervt gar nichts am vegan sein an sich. Aber es gibt da eine Sache, die es mir manchmal echt nicht leicht macht: Schuhe kaufen. Ich habe Schuhgröße 43. Das ist schon als nicht vegane Frau nicht lustig, mit dieser Größe Schuhe kaufen zu müssen. Vegane Schuhe findet man dann so gut wie gar keine mehr. Davon mal abgesehen ist es sowieso unmöglich 100 % vegan zu leben. Selbst wenn ich tierische Produkte aus meinem Speiseplan, meinem Kleider- und Schuhschrank und dem eigenen Bad verbanne, bleiben noch jede Menge Lebensbereiche übrig, wo es anfängt undurchsichtig zu werden. Elektronik ist z.B. nicht vegan. Darauf zu verzichten ist in der heutigen Zeit allerdings sehr schwierig. Auch wenn ich mir neues Porzellangeschirr kaufe, weiß ich ohne Nachfrage beim Hersteller nicht, ob da Knochenmehl drin ist oder nicht.

Als ich vor drei Jahren einen aufwändigen und sehr teuren Knochenaufbau am Unterkiefer machen lassen musste, habe ich erst hinterher erfahren, dass das xenogene Bio-Knochenersatzmaterial, das mir eingesetzt wurde, vom Rind stammte. Nachdem ich mich ein paar Tage regelrecht vor mir selbst geekelt habe, musste ich diese Tatsache einfach irgendwann akzeptieren.

Zu Dir als Person:

Welcher Mensch kommt Dir in den Sinn, wenn Du das Wort „Erfolg“ hörst – und warum?
Ich denke da z.B. an Tesla-Gründer Elon Musk. Er ist im Laufe seiner Karriere so oft hingefallen und wieder aufgestanden. Er investiert jeden Dollar, den er verdient in neue Visionen und hat alle Tesla-Patente öffentlich gemacht um die Elktromobilität flächendeckend zu verbreiten. Wenn die Hersteller zusammenarbeiten und ihr Wissen teilen, könnte das vielleicht in absehbarer Zeit den Verkehrssektor revolutionieren.

Auf welchen Werten beruhen Deine täglichen Handlungen, Entscheidungen und Pläne?
Bei allem was ich täglich, aber auch so ganz grundsätzlich tue, denke ich an meine kleine Familie und wie sich eine Entscheidung auf unseren Familienalltag auswirkt. Ein Job zum Beispiel, bei dem ich bis 20:00 im Büro bleiben müsste, wäre derzeit nix für mich. In einer anderen Lebensphase vielleicht, aber jetzt nicht. Auch Entscheidungen wie  kein Fleisch zu essen, kein eigenes Auto zu fahren und nicht ständig eine Fernreise zu buchen hat was mit (meinen) Kindern zu tun. Wir haben diese Welt nur von ihnen geborgt und in meinen Augen es ist unsere Pflicht, ihnen einen gesunden Planeten zu hinterlassen. Ich lebe in der Nähe eines Berliner Sees, der, durch die bis vor einigen Jahrzehnten dort angesiedelte Industrie, so vergiftet und mit Schermetallen verseucht ist, dass er quasi nicht mehr als See, sondern als toxische Deponie zu bezeichnen ist. Das ist z.B. so ein Erbe aus früheren Zeiten. Es war den Leuten damals scheißegal, was ihr Handeln für die nachfolgenden Generationen bedeutet und so baden diese heute eben in giftigem Wasser.

Welche Hoffnungen hast Du?
Gute Frage… Ich hoffe, dass sich immer mehr Menschen ihrer eigenen Handlungen bewusst werden. Jeder einzelne kann durch sein Einkaufs-und Konsumverhalten ein bisschen die Welt verändern. Ich hoffe, dass bewusst denkende und handelnde Menschen jeden Tag mehr werden!

Und welche Hoffnungen hast Du längst aufgegeben?
Nicht viele. Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Außer vielleicht die Hoffnung auf bezahlbaren städtischen Wohnraum. Die ist glaube ich schon tot. Was das angeht, sieht’s in vielen Großstädten ganz schön düster aus momentan.

Was würdest Du heute Deinem jüngeren ich raten?
Lass dich nicht von der Angst lähmen. Die geht eh nie ganz weg.

Welcher Job war der schlimmste den Du je hattest?
Jeder schlecht bezahlte Design-Job, den ich als ‚Referenz‘ oder für meine ‚Reputation‘ gemacht habe. Solche „Kannst du mal kurz… geht auch schnell, aber ein Budget haben wir leider keins“-Jobs lehne ich heute grundsätzlich ab. Die bringen einen nicht weiter und fressen nur Zeit..

Was glaubst Du, nimmt man Dir öfter übel?
Manchmal antworte ich erst sehr spät auf Nachrichten oder Emails. Ich glaube das kommt nicht bei jedem gut an. Außerdem bin ich oft die erste, die eine Feier verlässt. Seit ich Mutter bin gibt es Tage, an denen ist mir mein Schlaf einfach wichtiger als soziale Interaktion.

Was würdest Du selbst für viel Geld nicht tun?
Fleisch essen. Hab ich einmal probiert als ich zwölf war. Bei einer Familienfeier legten meine Verwandten eine Menge Geld zusammen, um mich (den einzigen Vegetarier der gesamten Familie) dazu zu bewegen ein Mett-Brötchen zu essen. Ich war jung und brauchte das Geld. Und so habe ich mich darauf eingelassen. Nach wenigen Bissen wurde mir so schlecht, dass ich aufs Klo gerannt bin um mich zu übergeben. Als ich wiederkam war das Geld weg. Heute weiß ich, dass ich das selbst für richtig viel Geld nicht noch einmal tun würde. Irgendetwas in mir blockiert das Runterschlucken von Fleisch. Das hat ja schon im Kindergarten nicht geklappt.

Wie sieht die erste Stunde Deines Tages aus?
Die erste Stunde meines Tages ist der pure Stress. Ich sollte da mal was dran ändern, aber ich komme so schlecht aus dem Bett. Der Wecker klingelt meist gegen 6:45. Dann ignoriere ich ihn für etwa 20 Minuten, um dann kurz nach 7:00 aufzustehen und die Kinder zu wecken. Frühstück machen, Schulbrote schmieren, den Kleinen zum Anziehen bewegen. Das kostet alles ganz schön viel Kraft, v.a. weil ich um diese Zeit noch gar nicht richtig Mensch bin. Eigentlich bin ich erst ab 10:00 so richtig ansprechbar.

Wem wärst Du lieber nie begegnet?
Jedem Menschen, der im Sommer ungeduscht neben mir in der S-Bahn steht.

Wie stellst Du dir Armut vor?
Für mich hat Armut viele Gesichter und ist natürlich auch immer ein bisschen davon abhängig, in welchem Land man lebt. Bei uns kommt zum Beispiel das Trinkwasser aus dem Hahn (wie abgefahren das doch eigentlich ist!) und wir haben alle Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung. Niemand muss Hunger leiden. Nichts desto trotz leben in Deutschland zu viele Menschen von einem viel zu geringen Einkommen, das ihnen keinerlei Teilhabe am sozialen Leben oder eine gesunde Ernährung, ermöglicht. So etwas sollte es in einem der reichsten Länder der Welt nicht geben. Wir müssen mehr aufeinander aufpassen.

Wenn Du eine Stadt wärst, welche wärst Du und wieso?
Kopenhagen! Ich mag fahrradfreundliche grüne Städte und Kopenhagen hat es sich zum Ziel gemacht bis 2025 zur weltbesten Fahrradstadt zu werden. Falls Berlin das mit dem neuen Radgesetz auf die Reihe bekommt und verkehrspolitisch diesbezüglich endlich mal Nägel mit Köpfen macht, wäre ich aber auch sehr gern Berlin. Ich liebe Berlin, aber die Verkehrsplanung ist von vorgestern und Radfahren ist hier lebensgefährlich.

Wenn Du als Tier wiedergeboren wirst, welches möchtest du sein?
Ein Koala. Koalas schlafen bis zu 20 Stunden am Tag um Energie zu sparen. Das klingt verlockend für jemanden mit chronischem Schlafdefizit.

Welchem Film muss man zwingend gesehen haben?
‚Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück‘ ist ein sehr guter und unterhaltsamer Film, den ich vor kurzem gesehen habe. Der blieb mir noch eine ganze Weile nach dem Anschauen im Kopf.

Welche 3 Bücher haben Dich am meisten beeinflusst?
Erich Fromm ‚Haben oder Sein‘
Tom Hodkinson ‚Leitfaden für faule Eltern‘
Paulo Coelho ‚Veronika beschließt zu sterben‘

Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch 3 Dinge essen könntest, welche wären das?
Gnocchi, Äpfel und Burger