Agapi und ihr Mann Rado haben zusammen GUTDING gegründet und produzieren in Hamburg mit viel Leidenschaft vegane, gluten- und zuckerfreie Dips und Aufstriche in Bio-Qualität. Jedes Glas entsteht von Hand und mit viel Liebe – das schmeckt man nicht nur, sondern sieht es auch. Ich habe die beiden bzw. ihre Produkte eher durch einen Zufall entdeckt – als kleines Verpackungsopfer sind mir die liebevoll gestalteten Weck Gläser in der Kühltheke direkt ins Auge gefallen. Der eine oder andere mag nun denken „Schon wieder ein Aufstrich, davon gibt es doch schon hunderte!“ – ja, gibt es! Aber Agapi und Rado machen alles noch selbst und das schmeckt man auch. Vor allem: die Aufstriche sind in WECK GLÄSERN! Wie geil ist das bitte? Man kann zwar auch die Gläser der anderen Aufstriche auf dem Markt widerverwenden, aber Weck ist ja wohl um Klassen besser. Und was noch toller ist, das tut dem Preis keinen Abbruch. Wer Wert auf handgemachtes legt und dazu noch eine hochwertige Verpackung möchte für den sind die 3,99€ nun wirklich nicht die Welt. Man merkt allein am Design schon wie viel Herz die beiden in ihre Entwicklung stecken. Die Aufstriche werde ich euch bald noch einmal etwas umfangreicher vorstellen – so schnell und einfach lässt sich das Ganze nämlich nicht abfrühstücken. In einem kleinen Interview haben die beiden mir sehr ehrlich erzählt welche Hoffnungen sie haben und wie sie ihre Zukunft planen. Außerdem, was sie so besonders macht und wer diese wunderbaren Zeichnungen zaubert, die die Gläser zieren und den Aufstrichen ein Gesicht geben…

Copyright – Maxim Kuphal-Potapenko

 

Wir fangen mit der langweiligen Standardfragen an: Lebt ihr Vegan? Und wenn ja: Wie lange lebt ihr schon vegan und wie kam es dazu?
Agapi: Nein, ich bin Flexitarierin. Mein Fisch- und Fleischkonsum hat sich aber sehr reduziert, weil ich einen vegetarischen und super kochen könnenden Mann geheiratet habe. Und ich esse nur noch Biofleisch, wenn ich mal Fleisch essen möchte.

Rado: Nein, ich bin Vegetarier da ich auf Butter und Käse nicht verzichten möchte.

Wie kam es dazu, dass ihr vegane Aufstriche auf den Markt gebracht habt?
Agapi: Nach vier Jahren Zuhause-Vegetarierin-Sein, ging ich eines Tages mit zum Einkaufen und fand im Regal ein Gläschen Leberwurst. Ich kämpfte gegen mein Verlangen. „Rado, könntest Du nicht eine Leberwurst imitieren?“, säuselte ich. „Und wo ich mich schon oute, mich dürstet es auch nach einem Mett-Brötchen.“, so entstand GUTDING – die veganen Aufstriche.

Auf was achtet ihr bei Auswahl, Produktion und Zusammenstellung der Produkte am meisten?
Agapi: Unsere Aufstriche stellen Rado und ich in Bio-Qualität her und außer bei BOLLE, unserer Zwiebelkonfitüre, verwenden wir kein Zucker. Wir haben alle Aufstriche Glutenfrei hinbekommen. Uns ist wichtig, das unsere Aufgeweckten nicht todgekocht werden, also erhitzen wir sie nicht so stark. Das ist wichtig für den Geschmack. Ach ja, und wir haben darauf geachtet, dass die Textur unterschiedlich ist. BRO zum Beispiel hat noch sichtbare Oliven-Stückchen drinnen.

Hattet ihr Angst vor dem Schritt zur Selbstständigkeit?
Agapi: Nein. Das liegt aber auch daran, dass Rado und ich schon vorher immer selbstständig waren. Rado hatte ein Modelabel mit seiner Schwester zusammen und ich hatte eine Design- und Werbeagentur. Nur im Nachhinein, denke ich manchmal, puh, hätte ich gewusst, wie anders-schwer es ist im Lebensmittelbereich Fuß zu fassen … wir lernen jeden Tag so viel

Was unterscheidet GUTDING in euren Augen von anderen ähnlichen Produkten?
Agapi: Wir nutzen Weckgläser für unsere Aufstriche, weil wir keinen Müll mehr machen wollten und sind so dankbar, dass die VerbraucherInnen es wie wir sehen. Manche Läden machen unser Pfandsystem aus Ehre mit. Es gibt sogar GUTDING-Fans, die uns die Gläser von sich aus zurückschicken, wenn sie sie nicht selber gebrauchen können. Das rührt uns sehr. Wir sind außerdem Humorvoll – unsere Aufstriche sind Persönlichkeiten – jeder hat einen besonderen Namen und ein Gesicht. Wir haben immer viel Freude beim Entwickeln der Aufstriche. Wir sind für Vielfalt und das zeigen wir dadurch. Darüber hinaus möchten wir ein produktives Dorf gründen mit Gleichgesinnten. Rado und ich haben Sehnsucht nach dem respektvollen Miteinander. Unser innigster Wunsch ist es, der Natur und ihren Kreisläufen wieder nahe zu sein. Wir wollen in Gemeinschaft sinnvoll tätig werden und uns in ihr weiterentwickeln. Wir möchten versuchen, nicht mehr auf Kosten anderer zu leben und unsere Sehnsucht möchten wir teilen. Die Frage nach den Werten liegt doch gegenwärtig in der Luft. Viele besinnen sich zunehmend auf das, was das Leben lebenswert und die Menschen stabil macht, was Zusammenleben gelingen lässt und wahrhaftig Zukunft verspricht. In vielen Menschen existiert ein Bedürfnis nach Kooperation und mehr zwischenmenschlichem Kontakt. Es gibt eine neue Sehnsucht nach Sinn und Herzenswärme. Wir haben eine Idee und wollen einen Vorschlag leben. Wir sind auch schon dabei, ein Dorf mit Gleichgesinnten zu gründen. Dort wollen wir mit einer überschaubaren Gruppe Mensch aufeinander Bezug nehmend arbeiten und in Freiheit leben. Wir meinen, dass Neid, Missgunst und Gier menschliche Züge sind, die verstärkt da auftreten, wo wir den Bezug zu anderen verlieren.

Anfang 2014 haben wir Menschen getroffen die unsere Sehnsucht teilen und Verantwortung für einen Ort tragen, an dem ein produktives Dorf Platz nehmen kann. Ende 2014 sind wir in das Gutshaus von Neverstaven (35km westlich von Lübeck, 40km nördlich von Hamburg bei Bad Oldesloe) gezogen, um den Menschen und dem Ort näher zu kommen. Während wir uns mit den unterschiedlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten Zeit geben, uns kennen zu lernen und das gegenseitige Vertrauen wachsen lassen, bringen wir GUTDING weiter voran. GUTDING wird ein Teil der wirtschaftlichen Basis des Dorfes sein. Es ist nur ein Teil vom Ganzen. Weitere Ideen, die die Eigenständigkeit des Dorfes fördern, sind herzlich willkommen. Rado und ich wollen zeigen, dass mit dem nötigen Humor und mit viel Freude am Sich-Entwickeln eine andere Form des Miteinanders gelingen kann.

Entwickelt ihr alles selbst?
Agapi: Ja, das machen Rado und ich. Rado kreiert die Rezepte. Ich wünsch mir nur manchmal etwas, wie zum Beispiel einen grünen Aufstrich – so entstand dann unser DUX. Dann probieren wir die Kreationen von Rado und fragen uns, wie er wohl heißt und wer er wohl sein mag … bisher sind uns die Namen und Persönlichkeiten immer zugeflogen. Bei BRO hatte ich einen Mönch mit Glatze vor Augen, daraufhin kam von Rado der Name – das macht super viel Spaß.

und wer kümmert sich um die Namensgebung und diese wunderbaren Zeichnungen?
          Rado: Die Namengebung machen Agapi und ich zusammen. Die Zeichnungen macht Agapi.

Wer neben euch hat noch seine Finger im Spiel? Wie viele Mitarbeiter habt ihr?
Agapi: Unter der Woche machen Rado und ich die Büroarbeit alleine – Zutaten und Weckgläser bestellen, Buchhaltung, Auslieferung, Versand, Etiketten drucken, Anfragen beantworten, auf Kundenwünsche eingehen, soziale Medien pflegen … Am Wochenende dürfen wir immer in eine Großküche, die unter der Woche Bio-Kindergarten-Mittagessen produzieren, um dort unsere Aufstriche mit Liebe und mit Hand herzustellen. Das ist ein Segen. Aber wir sind schon dabei unsere eigenen Küche auf dem Land zu planen. Wir wachsen und brauchen dringend einen konstanten Platz, an dem wir sesshaft werden dürfen. Gemeinsam mit dem Kattendorfer Hof (Demeter, Solidarische Landwirtschaft) sind wir dabei zu kooperieren und hoffen, dass im Sommer 2018 unsere eigene Küche mit Holzbackofen in Neverstaven steht. In der Produktion am Wochenende haben wir dann schon eine Hand voll Helfer. Das schöne ist, dass ein Freund, der auch schon in Neverstaven wohnt, immer dabei ist und uns unterstützt.

Abschließend noch der Blick in die Zukunft: Wo möchtet ihr mit GUTDING noch hin?
Agapi: Nun ja, Rado und ich wünschen uns, dass GUTDING stabil wird – noch investieren wir sehr viel. Und das GUTDING sein eigenes Zuhause bekommt. Das wir mit den Kattendorfern gemeinsame Sache machen – dass heißt, wir möchten für die Mitglieder der Solidaren Landwirtschaft die tollen Demeter-Erzeugnisse veredeln. Convinence sozusagen in demeter-Qualität. Dann sehen wir GUTDING als eine wirtschaftliche Basis für die Dorfbewohner. So müssen sie nicht in die Stadt, um für ihren Unterhalt zu sorgen. Wir möchten Bezugnehmend aufeinander wirtschaften und leben.

Rado: Ja, wir wollen nicht nur Aufstriche machen sondern noch ganz viele andere Sachen.

 

Zu euch als Person:

Welcher Mensch kommt Dir in den Sinn, wenn Du das Wort „Erfolg“ hörst –  und warum?
Agapi: Gandi. Rudolf Steiner. Marshal B. Rosenberg … Sie haben es geschafft viele Menschen im Herzen zu erreichen, zu berühren, zum nachdenken zu bewegen und dadurch haben sie etwas in die Welt gesäht, das nicht mehr wegzudenken ist. Sie haben erfolgreich dazu beigetragen, dass sich der Mensch ein bisschen weiterentwickelt hat.

Rado: Spontan fällt mir da niemand ein. Erfolg bedeutet für mich, daß man die Ziele, die man sich setzt erreicht und daß einen das glücklich macht. Es gibt allerdings Menschen, die ich für ihr Schaffen bewundere. Ob sie selbst sich als erfolgreich einschätzen, kann ich dabei nicht sagen. Besonders beeindrucken mich Menschen, die es schaffen, sich treu zu bleiben, andere Menschen wertzuschätzen und dennoch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Z.B. Erwin Thoma (er ist Förster und baut Häuser aus 100% Mondholz) oder Ricardo Semler (ein brasilianischer Unternehmer, der sein Unternehmen entgegen allen Managementlehren aufgestellt hat), der seine Mitarbeiter als vollwertige, selbständige, verantwortungsvolle Menschen sieht, ihnen vertraut und sie nicht kontrolliert.

Auf welchen Werten beruhen Deine täglichen Handlungen, Entscheidungen und Pläne?
Agapi: Ich kann nur mich ändern. Also versuche ich mich jeden Tag weiter zu entwickeln. Gewaltfrei zu sprechen und zu denken. Brüderlich zu handeln. Jeden Menschen wertzuschätzen. Wenn mich jemand wütend macht, dann schaue ich, warum er mich wütend macht und was mir meine Wut sagen möchte.

Rado: Ich versuche unvoreingenommen zu sein und Menschen so zu nehmen, wie sie sind, ohne zu urteilen. Und ich versuche, nicht alles, was um mich herum passiert auf mich zu beziehen. Die Welt dreht sich nämlich auch ohne mich weiter…

Welche Hoffnungen hast Du?
Agapi: Ich glaube, dass ich, wie jeder Mensch, ein Vorbild bin. Wenn ich es schaffe ein liebevolles, verletzliches, ehrliches Wesen zu sein, dann wird das in der Welt etwas verändern. Und mit dem Dorf möchte ich das ganze noch mehr sichtbar und fühlbar machen.

Rado: Lange gesund zu bleiben und noch ganz viele schöne und beeindruckende Erfahrungen zu machen.

Und welche Hoffnungen hast Du längst aufgegeben?
Agapi: Das ich mit meiner Mutter in einen echten gleichberechtigten Kontakt treten werde. Ich fühle mich nicht gehört. Es macht mich traurig, dass es Menschen, wie meine Mutter gibt, die ihren inneren Zwist, über mein gesprochenes Wort legen und es somit in ihre Farbe tauchen. Meine Mutter versteht meine friedlichen Worten immer als Angriff. Das bedaure ich sehr und es tut mir weh.

Rado: Es allen recht machen zu können.

Was würdest Du heute Deinem jüngeren ich raten?
Agapi: Agapi, du bist etwas ganz besonderes. Sei Du. Immer. Verstelle Dich nicht. Sprich, auch wenn Du neue Worte schöpfst und andere darüber Lachen. Du bist unterhaltsam. Die Menschen mögen Dich. Du brauchst nicht unsicher sein, wenn sie merkwürdig auf Dich reagieren. Wenn Menschen verletzend reagieren, hat es mit ihnen zu tun, nicht mit Dir. Kümmere Dich um Dich. Höre auf Dein Herz. Verstand war nur in der Schule wichtig, um da durch zu gehen, wo alle durch müssen. Geh hinaus in die Welt und mach was Du für richtig erachtest, auch wenn es noch niemand getan hat. Du bist wichtig!

Rado: Mach nicht das, was bequem ist, sondern das, was Dich interessiert und weiterbringt. Das spart einige Schleifen…

Welcher Job war der schlimmste den Du je hattest?
Agapi: Bei meinen Eltern in der Konditorei habe ich gekellnert und auch am Tisch abkassieren müssen. Ich kann nur nicht rechnen, wenn ich unter Stress stehe. Ich habe gelitten, ich konnte mir nichts merken, hatte als einzige immer ein Minus in meinem Geldbeutel und wurde dafür auch noch herunter gemacht.

Rado: Als Kind mußte ich regelmäßig die Hinterlassenschaften der Hunde vom Rasen sammeln. Das habe ich gehaßt.

Was würdest Du selbst für viel Geld nicht tun?
Agapi: Etwas, dass offensichtlich auf Kosten anderer geht und mein ICH würde ich auch nicht verkaufen.

Rado: Andere Menschen / Tiere bewußt quälen oder verletzen. Gegen meine Grundwerte handeln.

Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch 3 Dinge essen könntest, welche wären das?
Agapi: Kartoffeln, Tomaten, Käse … Salz, Pfeffer

Rado: Gutes Butterbrot, Bratreis, Spargel